27. Januar 2018

Auf, ans Kaspische Meer – Iran Folge 05

Im Gegensatz zu gestern wache ich heute gut ausgeschlafen auf. Vom Frühstücksbuffet nehme ich Schafskäse, Tomaten und Gurken. Danach Yoghurt mit Honig und Walnüssen. Zu Hause käme ich nie auf die Idee nach solchen Dingen zu greifen, hier liebe ich das.

Bevor wir uns auf den Weg in den Norden des Landes machen, werfe ich noch rasch einen Blick auf die Dächer von Teheran vor der Kulisse des Elburz-Gebirges. Ach ja, das hatte ich gestern vergessen zu erwähnen. Der „Damavand“ nordöstlich von Teheran ist mit 5670 Metern der höchste Berg Irans.

Ein Blick auf die Dächer von Teheran

Die vorderen Plätze im Bus sind bereits besetzt. Ich erwische einen Sitzplatz im mittleren Bereich, mein Mann einen hinter mir. Jeder von uns hat einen Fensterplatz und eine Reihe für sich alleine. Wir sind zufrieden. Einige unserer Reisepartner sind es nicht. Sie wünschen das alte roulierende System, wie es früher bei Studiosus üblich war, zurück. Andere bestehen auf festen Plätzen für die Dauer der Reise. Ich muss lachen. Erinnert mich diese Diskussion doch an den Sitzplatzkrieg während unserer Osttürkeireise.

Wie gestern wälzt sich auch heute der Verkehr auf den Straßen. „Das wird noch viel schlimmer“, kündigt die Reiseleiterin an. „Wir stehen kurz vor ‚Nouruz’ dem iranischen Neujahrsfest. Die Vorbereitungen für dieses Fest laufen derzeit auf Hochtouren.“  Sie erzählt, dass sie sich für gestern Abend mit ihrer iranischen Freundin verabredet hatte. Diese wegen des Großputzes vor dem Fest kurzfristig absagte und ihr ein Treffen am Ende unserer Reise vorschlug. Doch zu Nouruz später mehr.

„Iranisches Leben spielt sich viel auf der Straße ab. Das Auto ist so etwas wie die eigene kleine Freiheit“, fährt unsere Reiseleiterin mit ihren Ausführungen fort. Ähnliches habe ich nach der Wende von einer meiner ostdeutschen Kolleginnen gehört. „Wenn man wie ich in einem Land gelebt hat, in dem man sich nicht frei bewegen kann, hat das Auto eine ganz besondere Bedeutung“, hatte sie damals gemeint.

Die Fahrt bis zu unserem ersten Stopp ist kurzweilig. Wir hören von der Jugend des Landes, warum viele junge Frauen so exzessiv geschminkt sind und weshalb die Schönheit im Land so eine große Rolle spielt.

Nach 130 Kilometern erreichen wir auf 1800 Metern Höhe Qazwin, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt liegt am Ende des iranischen Hochlandes, direkt im Zwickel von Elburz- und Zagrosgebirge und wurde von dem Sasanidenkönig Shapur I gegründet. Die Stadt gehört zu den wichtigsten Stationen im Wegnetz der Seidenstrasse. Hier besichtigen wir eine bedeutende Pilgerstätte, das ‚Imamzadeh Hossein’. Es ist nach dem Sohn des achten Imam benannt.

Imamzadeh Hossein von Innen

Sie wissen nicht was ein ‚Imamzadeh’ ist? Nun, ein ‚Imamzadeh’ ist zunächst einmal ein Grabmal. Es ist aber auch ein Ort der inneren Zuflucht. Der Besuch einer solchen heiligen Stätte hat für Schiiten einen starken emotionalen Charakter. Um das Grabmal besichtigen zu können, schlüpfen wir Frauen in den Tschador und ziehen, wie beim Besuch einer Moschee, die Schuhe aus.

Besuch des Imamzadeh Hossein in Quazwin

Eingänge, nach Geschlechtern getrennt, führen uns in das Innere. Drinnen werde ich von dem Glanz der Spiegel und der Mosaike überwältigt.

Imamzadeh Hossein von Innen

Innenraum des Imamzadeh Hossein

Nach dem Besuch des Mausoleums wenden wir uns der nächsten Sehenswürdigkeit zu, der alten Freitagsmoschee von Qazwin. Sie ist eine der ältesten Moscheen im Iran, in der Araber, Seldschuken, Safawiden und Mongolen ihre Spuren hinterlassen haben. So können wir nicht nur eine der größten seldschukischen Kuppeln des Irans bewundern, sondern auch eine Moschee in der typischen „Vier-Iwan Bauweise“. Auffallend ist der ungewöhnlich große Innenhof. Der Hof einer Moschee, so erfahren wir, ist ebenfalls Gebetsraum. Ich frage mich, wie es wohl mit der gelebten Religiösität der Iraner aussehen mag?

Quazwin alte Freitagsmoschee

Während der Fahrt zum Kaspischen Meer spielt klassische persische Musik. Ich schließe die Augen und wache erst zur „technischen Pause“ wieder auf. Ich war zwar vorgewarnt, doch so schlimm habe ich mir die Toiletten an den Rastplätzen nicht vorgestellt. Es kostet mich viel Überwindung die unter Wasser stehende Toilette zu benutzen. Doch was ist die Alternative?

Die weitere Busfahrt versüßen uns unser Co-Busfahrer Ali mit köstlichen ‚Shiriniz’ und unsere Reiseleiterin mit einem Text von ‚Pierre Loti’ aus seinem Buch „Nach Isfahan“. Gegen 18.00 Uhr streifen wir die Universitätsstadt Rasht in der Provinz Gilan. Diese Provinz ist der wichtigste Reislieferant des Iran. Draussen ist es diesig geworden, so dass die Schönheit der im Katalog beschriebenen subtropischen Waldlandschaft nur zu erahnen ist. Die Einwohner  von Rasht sind in etwa mit unseren Ostfriesen zu vergleichen, über die man sich gerne lustig macht. Weit nach 20.00 Uhr erreichen wir in der Hafenstadt ‚Bandar Ansali’ endlich unsere Unterkunft für diesen Tag. Wir sind die einzigen Gäste im Hotel. Der Fisch zum Abendessen schüttelt mich. Unberührt lasse ich ihn stehen. Das war, wie sich später heraus stellen sollte, auch gut so.

Zurückgelegt haben wir heute 380 Kilometer.

Iran

Christa Schwemlein

Erlebt am:
am Montag, den 13. März 2017

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24. Januar 2018

Teheran – Iran Folge 04

Beim Mittagessen sitzt mir ein pensionierter Geschichts- und Lateinlehrer gegenüber. Mit seiner Tischnachberin, ebenfalls pensionierte Lehrerin, tauscht er sich über den Aufstieg Persiens im frühen Altertum aus. Hätte ich wissen müssen, dass die Meder erstmals 850 v. Chr. erwähnt wurden und zusammen mit den Persern unter „Kyros dem Großen“ das persische Großreich begründet haben? Habe ich im Geschichtsunterreicht geschlafen? Oder wurde uns die persische Geschichte nie vermittelt? Von Achämeniden höre ich heute zum ersten Mal. Ich komm’ mir in der Gesellschaft der beiden so dumm vor.

„333 bei Issos Keilerei ist alles, was mir aus dem Geschichtsunterricht zu Persien in Erinnerung ist“, mische ich mich in das Gespräch ein. „Na, das ist ja schon mal was. Darauf lässt sich aufbauen“ zwinkert mir der Lehrer  zu. „In dieser berühmten Schlacht besiegte Alexander der Große den Perserkönig Darius und damit endete das antike Weltreich.“ erklärt er die Eselsbrücke.
„Danach kamen die Seleukiden und später die Parther. Die Sasaniden, von denen wir vorhin im Nationalmuseum gehört haben, gründeten das letzte vorislamische Reich. Unter ihnen, erlebte das Reich nochmals eine Blütezeit, bevor sie Mitte des 7. Jahrhunderts dem Ansturm der islamischen Araber unterlagen. Die damit einhergehende Islamisierung bedeutet einen tiefen Einschnitt in der iranischen Geschichte“, fährt er freundlich fort. Ich bedanke mich für den Privatunterricht und stelle fest: „Sie waren gerne Lehrer.“„Ja vom ersten bis zum letzten Tag. Es war mein Traumberuf,“ schwärmt er. Das spüre ich.

Nach dem Mittagessen spazieren wir durch den Regierungsbezirk. Die Sonne scheint und lässt den bevorstehenden Frühling erahnen. Wie großzügig angelegt und gepflegt hier alles ist.

Teheran Regierungsbezirk

Teheran

An einem „Shiriniladen“ machen wir halt. Ich erkenne die leckeren Süßigkeiten, die während meiner Zeit im Export in den 1970 Jahren auf meinem Schreibtisch landeten und kann nicht widerstehen. Mir fällt auf, dass die Frauen Kopftuch aber keinen Tschador tragen. „Der Tschador ist keine Pflicht“ beantwortet unsere Reiseleiterin meine bis dahin ungestellte Frage.

In der Nationalbank werden ebenfalls Erinnerungen geweckt. Nein, nicht an meine Lehrjahre in der Bank sondern an die Stunden, die ich als Kind mit meiner alten Tante vor dem Fernseher verbrachte und die Märchenhochzeit von Farah Diba verfolgte. Das Juwelenmuseum ist im Tiefgeschoss der Iranischen Zentralbank untergebracht und ist eines der bedeutendsten der Welt. Es beherbergt neben den Kronjuwelen der alten persischen Könige auch die Krone und das Diadem der Kaiserin, welche extra für ihre Hochzeit mit Shah Rezza Pahlavi angefertigt wurden.

Die angekündigte Kaffeestunde mit einer Künstlerin, während der wir etwas zur Kunstszene der islamischen Republik erfahren sollten, fällt leider aus. Stattdessen fahren wir zu der ehemaligen Residenz der Pahlavi-Dynastie. Auf dem mehr als 100 Hektar großen Park stehen mehrere Paläste, die teilweise in Museen umgewandelt wurden. Auch hier ist alles sehr gepflegt und weitläufig.

ehemaligen Residenz der Pahlavi-Dynastie

Wir haben Pech. Die Museen sind bereits geschlossen. Schade, ich hätte gerne einen der Paläste von innen gesehen.

Beim gemeinsamen Abendessen machen wir uns miteinander bekannt. Die meisten Reiseteilnehmer sind ungefähr in unserem Alter und kommen aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich. Darunter sind viele pensionierte Lehrer, die alle schon fast die ganze Welt bereist haben. Zur Crew gehören unsere Reiseleiterin Frau Schulte, Shahab der iranische Reisebegleiter, der Busfahrer und ein junger Co-Busfahrer, dessen Aufgabe es unter anderem ist uns während der Fahrt mit Wasser und kleinen Leckereien zu versorgen.

Delikat, delikat ….

Nach dem Essen weist uns die Reiseleiterin auf zwei heikle Dinge hin. Erstens: Im Iran ist es anstößig sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen. Sitzt man wie wir bei Tisch im Lokal, verlässt man zum schnäuzen den Raum. Zweitens: Nach dem Stuhlgang reinigt man seinen Hintern mit Wasser und der linken Hand. Aus diesem Grund sind in den Hotels, Gaststätten und manchmal auch auf öffentlichen Toiletten Wasserschläuche angebracht. Das Toilettenpapier ist nur zum abtrocknen gedacht und kommt nach Gebrauch in den dafür bestimmten Mülleimer. Deshalb gilt die linke Hand als unrein und man reicht zur Begrüßung nicht die linke sondern die rechte Hand. Speisen und Getränke werden ebenfalls ausschließlich mit der rechten Hand serviert. Diese Regel ist mir von meiner Studienreise in den Oman bereits bekannt.

Nach dieser kurzen Einführung in den iranischen Knigge feiern wir den runden Geburtstag einer Mitreisenden mit Kaffee und einer extra für sie gebackenen Geburtstagstorte.

Gegen 22.00 Uhr liegen wir im Bett. Währen mein Mann neben mir schon gleichmäßig atmet, lese ich noch ein wenig über das achämenidische Reich und seine Könige.

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Sonntag, den 12. März 2017 – Nachmittag

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23. Januar 2018

Ich weiß, dass ich nichts weiß – Iran Folge 03

„Wir starten mit einem späten Frühstück,“ verspricht die Reisebeschreibung. Mal ehrlich. Nach drei Stunden Schlaf ist 8.00 Uhr nicht wirklich spät. Gähnend sitze ich am Frühstückstisch. Ich habe schlecht geschlafen. Die Zimmer sind sehr schön, doch völlig überhitzt. Der Kaffee ist dünn und schmeckt schrecklich.

Wir müssen uns eilen. Der „Geldwechsler“ ist für 8.30 Uhr bestellt. Fürs Erste darf jeder von uns 50 Euro in Rial tauschen. „Das ist die offizielle Landeswährung. Im täglichen Leben wird jedoch in Tuman gerechnet. Wobei 10 Rial einem Tuman entsprechen,“ informiert unsere Reiseleiterin. Da Kreditkarten in diesem Land kaum akzeptiert werden, haben wir auf dieser Reise nur „Bares“ mit.

Gegen 9.30 Uhr brechen wir zu unserer ersten Entdeckungstour auf. Eine leichte Smog-Glocke hängt heute über der iranischen Hauptstadt, die sich auf einer Höhe von 1.100 – 1.700 Metern befindet. Erstes Ziel ist das iranische Nationalmuseum. Es ist das bedeutendste und älteste Museum des Landes. Während der Fahrt dorthin gewinne ich einen ersten Eindruck von der Metropole Teheran. Auf den mehrspurigen Stadtautobahnen quälen sich endlose Autoschlangen durch den dichten Verkehr. Es sind kaum alte Gebäude zu sehen. Stattdessen ragen graue Wohn- und Geschäftshäuser in den Himmel. Vom orientalischen Zauber weit und breit keine Spur. Warum das so ist, das erklärt uns Frau Schulte, unsere Reiseleiterin. In der letzten Dynastie wurde großzügig abgerissen. Nichts sollte mehr an die islamische Zeit erinnern. Ähnlich wie Kemal Atatürk wollte auch „Schah Reza Pahlavi“, der Gründer der „Pahlavi-Dynastie“, sein Land zu einem fortschrittlichen, säkularen Staat nach westlichem Vorbild formen. Eine seiner umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen war unter anderem die Verbesserung der Infrastruktur. Er ließ Straßen, Eisenbahnlinien und in der Hauptstadt einen Flughafen bauen. Diesem ehrgeizigen Modernisierungsprojekt sind viele historische Altstadtbauten zum Opfer gefallen.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Wir beginnen den Rundgang durch das Nationalmuseum vor einer Landkarte.

Landkarte Iran

„Iran ist das Land der Berge und viereinhalb mal so groß wie Deutschland und in der Golf Region das zweit größte Land nach Saudi Arabien“ beginnt unsere Reiseleiterin ihre Einführung. Sie zeigt auf die beiden Gebirgszüge „Elburz“ und „Zagros“, die das innerpersische Hochland umschließen und erwähnt, dass wir uns auf unserer Reise zum Großteil im „Zagrosgebirge“ bewegen werden. „Ein Land voller Berge heißt auch ein Land voller Höhlen“ fährt sie fort. Das wiederum heißt für uns, wir dürfen uns auf unserem Rundgang an zahlreichen Siedlungsfunden erfreuen, deren Ausgrabungsstätten wir im Laufe unserer dreiwöchigen Reise besichtigen werden. Wir bestaunen prähistorische Steinwerkzeuge, Münzen, Schmuck und Gefäße mit figurativen und geometrischen Motiven in den Vitrinen und bekommen Gänsehaut beim Anblick so mancher Ausgrabung.

Vor dem Audienzrelief des König Darius aus dem Schatzhaus von Persepolis, welches ich bereits aus meinem Reiseführer kenne, bleiben wir stehen. Wir hören, dass diese Reliefszene zu den wichtigsten Exponaten der achämenidischen Zeit gehört. Es gefällt mir, wie unsere Reiseleiterin das Bild mit uns erschließt. Zuerst schauen wir, was alles auf dem Relief zu sehen ist ohne den Personen oder Gegenständen eine Bedeutung zu geben.

Reliefszene aus Persepolis - Audienzrelief

Erst danach erfahren wir, dass es den König auf dem Thron und direkt dahinter den Kronprinzen zeigt. Die Blüte, die jeder der Beiden in Händen hält, symbolisiert das Königliche. Der Stab in der Hand des Königs verweist auf den Herrscher. Weiterhin nehmen wir wahr, dass die abgebildeten Personen unterschiedlich gekleidet sind. Die Kleidung lässt auf Vertreter verschiedener Volksstämme schließen. Meder und Perser. Die Perser sind an den Faltengewändern und die Meder an der iranischen Reitertracht, sprich Hosen und langärmelige, knielange Obergewänder, zu erkennen. Reisen bildet, hat einer meiner Blogkollegen einmal geschrieben. Wie wahr.

Begriffe wie Meder, Achämeniden, Seleukiden, Parther, Sasaniden, Safadwiden und viele andere mehr fliegen mir um die Ohren, dazu kommen Namen von altpersischen Großkönigen, Jahreszahlen von Schlachten, Siegen und Niederlagen. Mir raucht der Kopf und ich stelle mal wieder fest: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Unsere Reiseleiterin scheint meinen erschreckten Gesichtsausdruck deuten zu können. „Ich weiß, das sind viele Informationen. Sie müssen sich aber nicht alles auf einmal merken. Wir durchschreiten auf dieser Reise immense Zeiträume. Sie werden sehen, am Ende wird alles rund.“

So merke ich mir fürs erste die drei wesentlichen Epochen für unsere Reise. Die Epoche der Achämeniden, (559-330 v.Chr.) der Sasaniden, (224-642 n.Chr.) und die der Safawiden. (1501-1722 n.Chr.)

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Sonntag, den 12. März 2017 – Vormittag

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22. Januar 2018

Iran? – Folge 02

Iran? Bist du verrückt?“ „Das ist doch gefährlich!“  „Hast du keine Angst?“  „Du weißt aber schon, dass du da Kopftuch tragen musst und keinen Alkohol trinken darfst“, waren Sätze, die ich immer wieder zu hören bekam, als ich von meinen Reisplänen erzählte. Noch keine meiner Reisen hatte bei meinen Freunden und Bekannten so ein großes Echo ausgelöst wie diese. Nein, Angst hatte ich keine. Den Reiseveranstalter, bei dem wir diese Studienreise gebucht hatten, habe ich während meiner Berufsjahre im “Reisebüro Schumacher” als ein umsichtiges Unternehmen kennen gelernt. Ich vertraute darauf, dass er, wie im Katalog beschrieben, Reiseziele mit einem erhöhtem Sicherheitsrisiko meiden wird. Selbstverständlich war für mich auch, will ich dieses Land bereisen, habe ich mich an die islamischen Bekleidungsvorschriften zu halten. Konkret heißt das für Frauen: Haare müssen in der Öffentlichkeit mit einem Tuch bedeckt und die Körperformen verhüllt sein.

Samstag, den 11. März 2017

Endlich ist es soweit. Um 14.00 Uhr steigen wir ins Flughafentaxi von „mal Anders Reisen“. Ich bin aufgeregt. Irgendwie ist diese Reise anders. Die Formalitäten am Frankfurter Flughafen gehen zügig und problemlos von statten, ebenso die Pass- und Personenkontrollen. So bleibt noch genügend Zeit für einen Kaffee.

In der Flughafenbar - Frankfurt

Ein einzelner Herr mittleren Alters sitzt mit uns an der kleinen Flughafenbar. Sein korrektes Erscheinungsbild lässt mich einen Geschäftsreisenden vermuten. Amüsiert beobachte ich, wie er die kleine Weinkarte studiert und sich schließlich für einen „Italiener“ entscheidet. „Jetzt gibt es eine Zeitlang nichts“, murmelt er verlegen zu uns herüber und hebt das Glas. Fachkundig schwenkt er den Wein, versenkt seine rote Nase im Glas und nimmt einen kräftigen Schluck. Zufrieden stellt er das Glas vor sich ab. Die Wehmut über die bevorstehende Abstinenz ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Wie’s uns wohl mit dem unfreiwilligen Alkoholverzicht gehen wird?

„Sie fliegen auch nach Teheran?“ spricht mich der mir gegenübersitzende Mann im Abfluggate freundlich an. „Ja, ich erfülle mir einen langgehegten Traum“, antworte ich. „Was träumt man denn vom Iran?“ will er neugierig wissen. „Von Ali Baba und den vierzig Räubern“, scherze ich. Ich erzähle ihm von meinen vergangenen Reisen in muslimisch geprägte Länder und wie der Wunsch, die persische Kultur kennen zu lernen allmählich immer stärker wurde.
„Wir nutzen die Schulferien, um unsere Familien in Kermanschah zu besuchen,“ fährt er das begonnene Gespräch fort und stellt mir seine Frau und seine beiden Töchter vor. „Ich trage in diesem Jahr zum ersten Mal ein Kopftuch,“ mischt sich die ältere der beiden Mädels aufgeweckt ins Gespräch. „Dann bist du also schon 9“, stelle ich fest.  „Ja“, antwortet sie stolz.

Er erzählt, dass er seit nunmehr dreißig Jahren in Hamburg lebt. Während des Irak-Irankrieges haben ihn seine Eltern zu Verwandten nach Deutschland in Sicherheit gebracht. 15 Jahre war er damals alt. Nach dem Studium wollte er ursprünglich wieder zurück. Doch dann kam alles ganz anders. Deutschland ist zur Wahlheimat der jungen Familie geworden. Interessiert wirft er einen Blick auf unsere Reiseroute und staunt. „Das ist eine gewaltige Strecke. Haben Sie auch genügend warme Sachen dabei? Sie werden sie brauchen. Im Norden ist es um diese Jahreszeit noch empfindlich kalt.“ Er deutet auf einen Punkt in der Karte. „Sehen Sie hier, nahe der Grenze zum Irak, liegt Kermanschah“.

Iran

Ich erfahre, dass seine Heimatstadt in der gleichnamigen Provinz liegt, dort überwiegend Kurden leben und während des Krieges schwer zerstört wurde. Die Zeit bis zum Abflug ist kurzweilig und vergeht in der netten Gesellschaft wie im Flug. Vor dem Einsteigen in die große „Boing 747“ verabschieden wir uns und verlieren uns danach aus den Augen.

Fünf Stunden später landen wir kurz vor Mitternacht in Teheran. Im Vergleich mit anderen Weltstadtflughäfen ist hier wenig Betrieb. Wir reihen uns in die Schlange vor dem Kontrollschalter für ausländische Staatsbürger ein. Ich trage inzwischen Kopftuch. Mir ist ein wenig mulmig zumute. Eine Bekannte erzählte mir, dass von ihrer Reisegruppe ein Teilnehmer nicht einreisen durfte. Grund war ein Schreibfehler im Visum. Hoffentlich ist mit unseren Dokumenten alles in Ordnung. Ist es. „Willkommen im Iran und einen schönen Aufenthalt in unserem Land“, begrüßt mich der Beamte auf deutsch und händigt mir nach einer kurzen Prüfung meinen Reisepass wieder aus.
Der Flughafen „Imam Khomeini“ liegt außerhalb der Stadt und so sind wir noch eine gute Stunde mit dem Bus unterwegs. Es regnet und auf den Straßen ist für diese Uhrzeit ungewöhnlich viel Verkehr. Um drei Uhr in der Früh’ treffen wir endlich in unserem Hotel in Teheran ein. Jetzt heißt es schnell schlafen. Das wird eine kurze Nacht.

Christa Schwemlein

Erlebt am :
Samstag, den 11. März 2017

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21. Januar 2018

Jetzt oder Nie! – Iran Folge 01

August 2016
in den Rheinterrassen, dem Gasthaus am Fluss in Mannheim.

Es klopft an meiner Bürotür. Ich öffne. „Sind Sie die Frau Schwemlein?“ „Ja, die bin ich. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Ich möchte gerne die Rechnung für meine Geburtstagsfeier bezahlen aber ihr Restaurant hat noch geschlossen. Kann ich das vielleicht direkt bei Ihnen erledigen, dann müsste ich nicht noch einmal kommen?“ erkundigt sich die zierliche Frau mit den hochgesteckten schwarzen Haaren.

„Rechnungen werden normalerweise vorne im Restaurant bezahlt. Doch Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel“, lache ich und bitte die Frau in mein Büro.

Nachdem wir das Finanzielle erledigt haben, kommen wir ins plaudern. Neugierig erkundige ich mich nach der Herkunft ihres Namens und erfahre, dass sie aus Persien, dem heutigen Iran, kommt. Während des „Schahregimes“ ist sie geflohen und hat in Deutschland eine neue Heimat gefunden. In diesem Frühjahr war sie erstmals wieder in Persien, um ihren drei Töchtern ihr Heimatland zu zeigen.

Ich erzähle ihr, dass ich vor der Geburt meiner Söhne für ein deutsches Unternehmen einige Jahre im Export gearbeitet habe und während dieser Zeit viel mit dem Iran zu tun hatte. In Erinnerung an dieses Land sind mir die Pakete, gefüllt mit Pistazien und leckeren Süßigkeiten geblieben, die als Dankeschön für ein erfolgreich abgeschlossenes Exportgeschäft auf meinem Schreibtisch landeten.

Mein Besuch scheint mein Interesse an ihrem Heimatland zu spüren. Sie zeigt mir Handyaufnahmen, schwärmt von dem orientalischen Zauber in Isfahan, vom Kaspischen Meer und von dem unvergesslichen Ausflug zur Thaddäuskirche im Nordwesten des Landes unweit der Türkischen Grenze. Ihre Erzählungen machen mich derart neugierig, dass es für mich schon fast zur Gewissheit wird, wohin die nächste Reise gehen wird. Seit meiner Reise in die Osttürkei im Oktober 2013 wünsche ich mir, irgendwann einmal den Iran zu bereisen. Nach dieser Begegnung in meinem Büro war für mich klar: „Jetzt oder Nie.“

Am nächsten Tag war die Reise für zwei Personen gebucht. Obwohl er meine Vorliebe für orientalische Reiseziele nicht mit mir teilt, hat sich mein Mann zu einem spontanen „Ja, ich komm’ mit“ hinreißen lassen.

5.890 km haben wir in der Zeit vom 11. März – 1. April 2017 mit dem Bus zurückgelegt. Kennengelernt haben wir ein geschichtsträchtiges und ungemein spannendes Land, dessen Image aus westlicher Sicht wie kaum ein anderes Land von Vorurteilen geprägt ist. Der aufwändige Lebensstil der Schahfamilie und die Ereignisse rund um die „Islamische Revolution“ von 1979 haben hierzulande ein negatives Bild geprägt, das bis heute präsent ist und kaum Raum für andere Sichtweisen zulässt. Während dieser Reise habe ich viel gelernt. Nicht nur über Kunst, Architektur, Religion und die Geschichte des Landes, auch über Menschen. Manches Vorurteil musste ich unterwegs über Board werfen. Beeindruckt war ich von der Herzlichkeit der Iraner. Noch auf keiner anderen Reise habe ich so viele freundliche, hilfsbereite und offen auf einen zugehende Menschen erlebt wie auf dieser.

 „Wir schreiben, um das Leben doppelt zu kosten, einmal im Augenblick selber und dann im Rückblick“, zitierte ich Anaïs Nin in einem älteren Beitrag. Auch wenn die jüngsten politischen Ereignisse meinen Blick zurück trüben, freue ich mich auf’s Erzählen und lade Sie ein, mit mir noch einmal auf Reisen zu gehen.

Apropos: Unterwegs waren wir mit Studiosus, dem Reiseveranstalter unseres Vertrauens. Gebucht haben wir diese Studienreise bei Heike Anders-Dahms, der Inhaberin von „mal Anders Reisen“, hier in Mannheim-Sandhofen.

Das Team von Malanderrs Reisen

Das sympathische Team von
“mal Anders Reisen”

Christa Schwemlein

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6. Januar 2018

Der Herbert aus dem Internet

Geschichten, die das Leben schreibt. :-)

Vergangenen Donnerstag war ich in Mannheims Innenstadt nachweihnachtlich unterwegs. Um die Mittagszeit hatte ich meine Besorgungen erledigt und wartete an der Kaffeetheke in einem Mannheimer Bekleidungshaus auf meinen Mann.

 „Hallo Christa“, höre ich. Ich schaue hoch und blicke in zwei freundliche braune Männeraugen. Vor mir steht ein gutaussehender, gepflegter Mann mit dichten, weißen Haaren, etwas größer und vielleicht auch etwas älter als ich. Der blaue Wollmantel steht ihm gut. Den roten Stockschirm allerdings finde ich etwas ungewöhnlich.

Verdutzt schaue ich ihn an. Er reicht mir die Hand und meint: „Schön, dass es endlich geklappt hat.“ Er scheint meine Unsicherheit zu spüren: „Du bist doch die Christa?

„Ja, die bin ich. Und wer sind Sie?“

„Ich bin der Herbert“

„Der Herbert? Welcher Herbert? Können Sie mir bitte auf die Sprünge helfen“, antworte ich. Jetzt wird auch er unsicher.

„Kennst du mich wirklich nicht?“

„Ich kenne Sie wirklich nicht“, bestätige ich ihm.

„Ich bin der Herbert. Der Herbert aus dem Internet. Wir sind hier verabredet“.

„Ganz gewiss nicht“, lache ich. „Ich bin zwar hier verabredet, jedoch mit meinem Mann.“

„Oh, Entschuldigen Sie, dann muss das eine Verwechslung sein“, erwidert er verlegen. Wir wundern uns über den Zufall mit dem Namen und unterhalten uns angeregt weiter, bis mein Mann eintrifft.

„Sie hätten mir auch gefallen“, sagt er zum Abschied.

„Sie mir auch“, zwinkere ich ihm zu und wünsche ihm viel Glück mit seiner Christa.

Christa Schwemlein

 

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7. Juni 2017

Ein Schlüsselerlebnis

Waschtag im Hause Schwemlein!

Die Gardinen sind fällig. Also kaufe ich ein Gardinenwaschmittel. Doch wieviel soll ich von diesem Waschmittel benutzen? Auf der Packung sind die Mengen in ml angegeben, auch bis wohin der Dosierbecher zu füllen ist. Das Problem ist nur, es liegt kein Dosierbecher bei. Zum Glück gibt der Hersteller eine Internetadresse an, wo dieser Becher angefordert werden kann.

Ich gebe die URL ein und lande auf einer Seite mit einer Riesenauswahl an verschiedenen Wasch- und Putzmitteln. Ich finde meine Marke, klicke und komme auf eine Seite auf der die Waschmittel etwas größer dargestellt sind. Wieder klicke ich meine Marke an. Doch auch dieser Klick bringt mir keine neuen Erkenntnisse. Doch oben in der linken Ecke entdecke ich eine Lupe. Hier gebe ich den Suchbegriff „Dosierhilfe Dato“ ein, was leider zu keinem Treffer führt. :-(  Erst der Suchbegriff „Dosierhilfe“ ergibt zwei Treffer. Einer davon führt mich zu einer weiteren Seite, von der ich mich dann zur Dosierhilfe-Bestellung weiterklicken kann. Hier werden meine Adresse, der Strichcode auf der Waschmittelpackung und die üblichen zu akzeptierenden Bedingungen abgefragt. Geschafft! Die Bestellung ist raus. Jetzt nur noch die eingegangene E-Mail öffnen und das Procedere bestätigen. Wenn ich alles richtig gemacht habe, bin ich in den nächsten Tagen stolze Besitzerin eines Dosierbechers. :-) Ich halte Sie auf dem Laufenden. :-)

“Ein älterer Mensch findet sich damit ja nie und nimmer zurecht” empöre ich mich bei meinem Mann. Er schaut mich an, schmunzelt, sagt aber nix. Da fällt’s mir wie Schuppen von den Augen: Im Dezember werde ich 65.

Christa Schwemlein

Eintrag Nr. 12349 | Kategorie Humor, Kleine Sticheleien | 0 Kommentare »




10. März 2017

Vergangenes und Künftiges

Liebe Leserinnen und Leser,

auch wenn die Tür zu 2017 schon lange durchschritten ist und es hier seit ewigen Zeiten nichts mehr zu lesen gab, greife ich heute den Faden mit einem Blick zurück, eventuell auch einem Blick voraus wieder auf. Es ist nicht so, dass ich nichts mehr zu erzählen hätte. Im Gegenteil. Ich denke jeder Mensch hat Geschichten, die es wert sind erzählt zu werden. Der Grund für mein Verstummen ist ganz einfach der, dass auf meiner Prioritätenliste derzeit andere Dinge stehen als mein zeitaufwändiges Hobby. Um so mehr freut es mich, heute die Muse zum Schreiben gefunden zu haben, zu reflektieren was war, zu formulieren was gerade anliegt und eventuell noch kommen mag.

Vergangenes

Vorträge, Seminare und Workshops

Mein Vortrag während eines kfd-Frauenfrühstücks  Ich höre was, das du nicht sagst“, angelehnt an das „4-Ohren-Modell“ von Friedemann Schulz von Thun, scheint, auch wenn mir das explizit niemand gesagt hat, gut gewesen zu sein. Die Einladungen, diesen Vortrag vor anderem Publikum noch einmal zu halten, habe ich im vergangenen Jahr gerne angenommen.

„Ich glaube, man schreibt, weil man eine Welt schaffen muss, in der man leben kann“, meinte die 1977 verstorbene amerikanische Schriftstellerin Anaïs Nin. Schon als Elfjährige soll sie Tagebuch geführt haben, um mit den schwierigen Bedingungen ihrer Kindheit zurechtzukommen. Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass genau dieser Gedanke von Anaïs Nin der Beweggrund war mich noch einmal intensiv mit dem Thema Mobbing auseinanderzusetzen und meinen Vortrag im letzten Jahr unter das Thema Mobbing, einmal durch die Hölle und zurück zu stellen. Nahezu 100 Frauen durften wir am 29. Oktober 2016 zu unserem diesjährigen Frauenfrühstück im Gemeindehaus der St. Bartholomäusgemeinde begrüßen. Die große Nachfrage hatte uns überrascht, jedoch nicht überfordert. Es wurden alle satt. Anders als bei den vorhergehenden Veranstaltungen haben wir diesmal interessierte Frauen aus ganz Mannheim und der näheren Umgebung erreicht.

Fluch oder Segen – Die neuen Medien , Internet, Facebook & Co“, ein Vortrag den mein Mann und ich zusammen ausgearbeitet und mehrmals gehalten haben, bieten wir, obwohl er nach wie vor angefragt wird, nicht mehr an. Seit dem Entstehen dieses Vortrages haben sich die kommunikativen Bedingen rasant weiterentwickelt. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Informationskanäle wächst stetig. Damit einhergehend wachsen auch die spezifischen Eigenheiten und Besonderheiten dieser Kommunikationsplattformen, in die ich mich auf meine alten Tage hin nicht über das übliche Maß hinaus einarbeiten möchte. Mein Herz schlägt mittlerweile für andere Dinge und ich habe das große Glück mich diesen Dingen auch widmen zu können. Der Workshop „Übertragung und Gegenübertragung“ war spannend und erkenntnisreich. Ebenso der Studientag zum Thema „Inszenierungen und Fakes“. Sollte mich wieder mal die Muse küssen, würde ich diesen Studientag gerne hier „in Szene“ setzen.

Reisen

Die „Klassikstudienreise“ auf der „Insel der Götter“ war eine Reise, die mir sehr gut gefallen hat. Dass diese Reise ein Erfolg wurde, dafür war neben Zypern und der Reisegruppe letztendlich auch unser Reiseleiter verantwortlich, der das Talent besitzt sein umfangreiches Wissen mit viel Engagement und Leidenschaft zu vermitteln. Stundenlang hätte ich ihm zuhören können, wenn er aus den Werken des römischen Dichters Ovid oder aus dem mir bis dahin unbekannten Nikodemusevangelium vorlas. Seltsam. Sonntag für Sonntag bete ich: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten….“ ohne darüber nachzudenken, was eigentlich in den drei Tagen zwischen der Kreuzigung und der Auferstehung passiert ist. Dazu musste ich 63 Jahre alt werden und nach Zypern reisen. Ich habe schon an mehreren Studien- und Bildungsreisen teilgenommen, hatte immer gute Reiseleiter, doch in dieser Form habe ich noch keine Reiseleitung erlebt. Deshalb erwähne ich das und schicke an dieser Stelle ein Dankeschön an den Studiosusreiseleiter „Helmut Brandl“. Meine vielfältigen Eindrücke und Bilder dieser Reise sind in meinem Reisetagebuch skizziert und warten darauf aufgearbeitet zu werden.
Kaum zu Hause rief auch schon Leipzig. Dem 100. Katholikentag widmete ich mehrere Beiträge. Es waren erlebnisreiche und bewegende Tage in der Messestadt und ich freu´ mich schon jetzt auf Münster im nächsten Jahr.
Von dem herbstlichen Badeurlaub in Andalusien hatte ich mir mehr versprochen. Es scheint, die Zeit dieser Urlaube ist für mich vorbei.

Beruf

„424“ heißt das neue Restaurant meines Arbeitgebers. Der große Saal der „Rheinterrassen“, wurde in der Zeit von April – Oktober in ein schickes vegetarisch/veganes Restaurant mit eigener Küche verwandelt. Arbeiten, die mit meiner eigentlichen Tätigkeit nichts zu tun hatten landeten während dieser Zeit auf meinem Schreibtisch. Das war anstrengend, aber zugleich auch interessant und abwechslungsreich. Anfang November war Eröffnung. Zuvor war ich zum Probeessen eingeladen und war begeistert. Leider wurde diese Art von Küche nicht so angenommen wie erhofft und so wurden im Januar die Türen des „424“ wieder geschlossen. Das Lokal ist inzwischen in den normalen Restaurantbetrieb integriert und bietet ein schönes Ambiente für Festlichkeiten aller Art.

Das 424 in Mannheim

Gesundheit

Gesundheitlich war 2016 nicht ganz so gut. Zwei Zähne mussten raus, dafür zwei Implantate rein. Das war schlimm. Nicht wegen der Schmerzen. Nein. Die waren mit Schmerzmittel gut auszuhalten. Es war die Psyche, die mir zu schaffen machte. Ich hatte das Gefühl plötzlich uralt zu sein. „Sie müssen doch wegen der beiden Zähne nicht traurig sein“, meinte meine Zahnärztin. „Sie bekommen von mir zwei schöne neue“, versuchte sie mich zu trösten. Richtig gelungen ist ihr das nicht. Seit diesen gesundheitlichen Problem(ch)en beschäftige ich mich viel mit dem Alter und dem älter werden. Ich könnt’ jetzt noch von meinem Ischiasnerv, meinem „Mausarm“ und dem grauen Star, der demnächst operiert wird, berichten, lass’ es aber.

Künftiges

Vor mir liegt mein Kalender für 2017. Viele Termine sind bereits eingetragen, unter anderem diverse Arzt- und Krankengymnastiktermine, Sitzungen, Seminare und Workshops, aber auch die nächste Reise und worauf ich mich riesig freue – die Hochzeit meines Sohnes. Was mich letztendlich erwartet, das weiß ich jedoch nicht.

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, ist zu einem geflügelten Wort geworden. Die Welt ist in Bewegung, die Zeit eilt immer schneller und die wachsende Vielfalt der Möglichkeiten fordert uns auf immer neue Weise heraus. Ist es da nicht wichtig für sich selbst einen Ort zu haben, an dem man sich dem ewigen Treiben entziehen und sich ganz auf sich selbst besinnen kann?

Noch einmal zitiere ich Anaïs Nin:  „Wir schreiben, um das Leben doppelt zu kosten“, schrieb sie einst, „einmal im Augenblick selber und dann im Rückblick.“ Genau so habe ich die zurückliegenden Stunden mit mir selbst hier vor meinem Bildschirm erlebt.

Christa Schwemlein

 

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