23. Januar 2018 von Christa

Ich weiß, dass ich nichts weiß – Iran Folge 03

„Wir starten mit einem späten Frühstück,“ verspricht die Reisebeschreibung. Mal ehrlich. Nach drei Stunden Schlaf ist 8.00 Uhr nicht wirklich spät. Gähnend sitze ich am Frühstückstisch. Ich habe schlecht geschlafen. Die Zimmer sind sehr schön, doch völlig überhitzt. Der Kaffee ist dünn und schmeckt schrecklich.

Wir müssen uns eilen. Der „Geldwechsler“ ist für 8.30 Uhr bestellt. Fürs Erste darf jeder von uns 50 Euro in Rial tauschen. „Das ist die offizielle Landeswährung. Im täglichen Leben wird jedoch in Tuman gerechnet. Wobei 10 Rial einem Tuman entsprechen,“ informiert unsere Reiseleiterin. Da Kreditkarten in diesem Land kaum akzeptiert werden, haben wir auf dieser Reise nur „Bares“ mit.

Gegen 9.30 Uhr brechen wir zu unserer ersten Entdeckungstour auf. Eine leichte Smog-Glocke hängt heute über der iranischen Hauptstadt, die sich auf einer Höhe von 1.100 – 1.700 Metern befindet. Erstes Ziel ist das iranische Nationalmuseum. Es ist das bedeutendste und älteste Museum des Landes. Während der Fahrt dorthin gewinne ich einen ersten Eindruck von der Metropole Teheran. Auf den mehrspurigen Stadtautobahnen quälen sich endlose Autoschlangen durch den dichten Verkehr. Es sind kaum alte Gebäude zu sehen. Stattdessen ragen graue Wohn- und Geschäftshäuser in den Himmel. Vom orientalischen Zauber weit und breit keine Spur. Warum das so ist, das erklärt uns Frau Schulte, unsere Reiseleiterin. In der letzten Dynastie wurde großzügig abgerissen. Nichts sollte mehr an die islamische Zeit erinnern. Ähnlich wie Kemal Atatürk wollte auch „Schah Reza Pahlavi“, der Gründer der „Pahlavi-Dynastie“, sein Land zu einem fortschrittlichen, säkularen Staat nach westlichem Vorbild formen. Eine seiner umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen war unter anderem die Verbesserung der Infrastruktur. Er ließ Straßen, Eisenbahnlinien und in der Hauptstadt einen Flughafen bauen. Diesem ehrgeizigen Modernisierungsprojekt sind viele historische Altstadtbauten zum Opfer gefallen.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Wir beginnen den Rundgang durch das Nationalmuseum vor einer Landkarte.

Landkarte Iran

„Iran ist das Land der Berge und viereinhalb mal so groß wie Deutschland und in der Golf Region das zweit größte Land nach Saudi Arabien“ beginnt unsere Reiseleiterin ihre Einführung. Sie zeigt auf die beiden Gebirgszüge „Elburz“ und „Zagros“, die das innerpersische Hochland umschließen und erwähnt, dass wir uns auf unserer Reise zum Großteil im „Zagrosgebirge“ bewegen werden. „Ein Land voller Berge heißt auch ein Land voller Höhlen“ fährt sie fort. Das wiederum heißt für uns, wir dürfen uns auf unserem Rundgang an zahlreichen Siedlungsfunden erfreuen, deren Ausgrabungsstätten wir im Laufe unserer dreiwöchigen Reise besichtigen werden. Wir bestaunen prähistorische Steinwerkzeuge, Münzen, Schmuck und Gefäße mit figurativen und geometrischen Motiven in den Vitrinen und bekommen Gänsehaut beim Anblick so mancher Ausgrabung.

Vor dem Audienzrelief des König Darius aus dem Schatzhaus von Persepolis, welches ich bereits aus meinem Reiseführer kenne, bleiben wir stehen. Wir hören, dass diese Reliefszene zu den wichtigsten Exponaten der achämenidischen Zeit gehört. Es gefällt mir, wie unsere Reiseleiterin das Bild mit uns erschließt. Zuerst schauen wir, was alles auf dem Relief zu sehen ist ohne den Personen oder Gegenständen eine Bedeutung zu geben.

Reliefszene aus Persepolis - Audienzrelief

Erst danach erfahren wir, dass es den König auf dem Thron und direkt dahinter den Kronprinzen zeigt. Die Blüte, die jeder der Beiden in Händen hält, symbolisiert das Königliche. Der Stab in der Hand des Königs verweist auf den Herrscher. Weiterhin nehmen wir wahr, dass die abgebildeten Personen unterschiedlich gekleidet sind. Die Kleidung lässt auf Vertreter verschiedener Volksstämme schließen. Meder und Perser. Die Perser sind an den Faltengewändern und die Meder an der iranischen Reitertracht, sprich Hosen und langärmelige, knielange Obergewänder, zu erkennen. Reisen bildet, hat einer meiner Blogkollegen einmal geschrieben. Wie wahr.

Begriffe wie Meder, Achämeniden, Seleukiden, Parther, Sasaniden, Safadwiden und viele andere mehr fliegen mir um die Ohren, dazu kommen Namen von altpersischen Großkönigen, Jahreszahlen von Schlachten, Siegen und Niederlagen. Mir raucht der Kopf und ich stelle mal wieder fest: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Unsere Reiseleiterin scheint meinen erschreckten Gesichtsausdruck deuten zu können. „Ich weiß, das sind viele Informationen. Sie müssen sich aber nicht alles auf einmal merken. Wir durchschreiten auf dieser Reise immense Zeiträume. Sie werden sehen, am Ende wird alles rund.“

So merke ich mir fürs erste die drei wesentlichen Epochen für unsere Reise. Die Epoche der Achämeniden, (559-330 v.Chr.) der Sasaniden, (224-642 n.Chr.) und die der Safawiden. (1501-1722 n.Chr.)

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Sonntag, den 12. März 2017 – Vormittag

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 23. Januar 2018 um 16:37 Uhr veröffentlicht und wurde unter Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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