Der Mix macht’s! - oder, wie eine Webseite zu einem guten Mitarbeiter wird.
Das Wichtigste zuerst:
Ich danke
- Sanjay Sauldie für 132 spannende Minuten am Dienstag, den 26.01.2010 in Hockenheim im Rahmen des BDS-Unternehmertreff Nordbaden.
- Dem Bund der Selbständigen für die Einladung und das gelungene Treffen.
- Remy Ruder vom Nissan-Autohaus Ruder GmbH, in dessen Räumlichkeiten die Veranstaltung stattfand.
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Im Gegensatz zu Stuttgart, wo mehr als 300 Selbständige am zweiten BDS-Unternehmertreff teilnahmen, waren der Einladung nach Hockenheim weitaus weniger Gäste gefolgt. „Gefühlte“ 60 – 70 würden meine Söhne sagen. ![]()
Lag es an dem eisigen Winterwetter oder an der Tatsache, dass dem Internet immer noch zu wenig Beachtung geschenkt wird? Auf jeden Fall war ich im Nachhinein froh, eine Absage für Stuttgart bekommen zu haben. In dem kleinen familiären Rahmen haben sowohl mein Mann als auch ich uns sehr wohl gefühlt.
Nach dem Sektempfang und den einleitenden Begrüßungsworten von Herrn Ruder, dem Geschäftsführer des Nissan-Autohauses, gab es zunächst einen leckeren Imbiss. Dabei bot sich die Gelegenheit zu einem ersten persönlichen Austausch. Die Gespräche an den Bistrotischen drehten sich, wie sollte es auch anders gewesen sein, hauptsächlich um das Thema Internet. Und wieder einmal wurde mir mein Eindruck, den ich im vergangenen Jahr bei unserer Gewerbe- und Leistungschau in Sandhofen gewonnen hatte, bestätigt: Die Bedeutung der neuen Medien, gerade für geschäftliche Zwecke, haben viele klein- und mittelständische Unternehmen immer noch nicht erkannt.
„Wir leben noch im Steinzeitalter des Internets“ bestätigte mir dann auch gleich zu Beginn seines Vortrages der Internetexperte Sanjay Sauldie. „Die Zeiten haben sich geändert. Wir müssen uns anpassen”, forderte der Fachmann die Anwesenden auf. “Das Internet ist nicht immer eine friedliche Welt. Es ist aber nur für denjenigen schädlich, der sich nicht darum kümmert“, fuhr er fort. Es folgten 132 spannende Minuten, in denen uns Sanjay Sauldie in leicht verständlichen Worten die Welt des Internets näher brachte.
Was nützt die schönste Website, wenn niemand sie findet? Die große Masse der Webseiten, etwa 95%, habe überhaupt keine Chance von Suchmaschinen wie Google gefunden zu werden. Aber nur wer im Netz sichtbar ist profitiert auch geschäftlich von seiner Homepage - direkt durch Neukundengewinnung oder indirekt durch Steigerung des Firmenimages. Wichtig ist es Sichtbarkeit zu erzeugen. Das war die Kernbotschaft des Vortrages.
Zwei Freiwillige erklärten sich bereit ihre Homepage testen zu lassen. Ernüchternd stellten wir fest, dass sowohl das Steuerberatungsbüro als auch der Gartenbaubetrieb unter den für sie interessanten Suchbegriffen bei Google überhaupt nicht gefunden werden – oder erst auf den hinteren Seiten.
„Zeit ist kostbar und Zeit ist Geld“, so heißt es. Und deshalb hat derjenige, dessen Website bei einer Google-Suche auf den ersten drei Ergebnisseiten angezeigt wird, die besseren Karten. Das leuchtet ein.
Anhand der beiden Beispiele gab uns der Fachmann einige nützliche Tipps, die uns zwar nicht zu SEO –Experten machen werden, aber dennoch ein gutes Stück weiter brachten.
SEO? Oh, Entschuldigung! „SEO steht für Search Engine Optimization“ klärte uns Herr Sauldie auf „und bezeichnet den Vorgang, Webseiten so zu optimieren, dass sie eine gute Platzierung in Suchmaschinen erhalten“.
Google sei wie ein Gentleman. Die Suchmaschine schaue nicht auf das äußere Erscheinungsbild einer Webseite, sondern auf die inneren Werte. An dieser Stelle schweiften meine Gedanken für einen kurzen Moment ab. “Es kommt auf die inneren Werte an“, sagte der König ….Von wem war das doch gleich?
Online-Marketing heißt das Zauberwort! “Heute kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, auf Online-Marketing zu verzichten“, mahnte der Redner. Sicher können wir alles auf traditionellen Wegen machen, aber die Gefahr Schiffbruch zu erleiden, ist groß. Zur Verdeutlichung erzählte er uns die Geschichte von dem Versandhaus, das in unserer hochtechnologischen Welt weiterhin Kataloge druckte. „Es war einmal ein Versandhaus ……“ ![]()
Aus Zeitgründen ging er nur kurz auf „Social Media“ ein. An dieser Stelle gab mir der Referent ein Zeichen, jetzt nach Sinn und Zweck von Twitter zu fragen.
Twitter erzeuge neben Sichtbarkeit auch Vertrauen. Na, der Sichtbarkeit kann ich ja gerade noch zustimmen. Aber dem Vertrauen? Entschuldigung, aber meine Schamgrenze ist irgendwann einmal erreicht.
Jetzt frage ich Sie meine lieben Leserinnen und Leser: Hätte ich damals meinen Twitterbeitrag zu Ende geschrieben, wäre mein Vertrauensbonus bei Ihnen gestiegen? (Über eine ehrliche Antwort hier in der Kommentarfunktion oder mittels einer persönlichen E-Mail würde ich mich aufrichtig freuen. Vorab schon mal vielen Dank!)
“Im Internet leben Sie im UND. Im Netz ist alles eine Ergänzung, ein wunderschönes UND”. (nicht nur im Netz, Herr Sauldie. Sollte es interessieren, dann: klick!) “Probieren Sie es aus,” fuhr der Sprecher ergänzend fort. Damit war dann auch meine Neugier geweckt. Selbst auf die Gefahr hin, dass Sie oder meine Familie mich für verrückt erklären werden, schließe ich es nicht aus, demnächst ins World-Wide-Web zu zwitschern.
Was tun? Muss ein Unternehmer nun anfangen programmieren und designen zu lernen? „Nein“, sagt Sanjay Sauldie. Oberste Pflicht sei es aber, sich ein gutes Wissen anzueignen. Mit diesen Grundkenntnissen kann man dann auf die Suche nach einem geeigneten Partner gehen, der einem bei seinem Vorhaben unterstützt. Je mehr man selbst weiß, umso geringer ist die Gefahr, auf “Blender” hereinzufallen.
“Eine Homepage gehört NICHT in die IT-Abteilung, sondern in den Bereich Vertrieb- und Marketing,” betonte er mehrmals. “Es geht nicht darum zu sagen: Hier ist mein dicker Katalog, mach mal! Eine gute Agentur weiß zwar, was für Google wichtig ist und woher Google seine Informationen zieht, aber sie weiß nicht, wofür Sie Spezialist sind. Machen Sie sich schlau, damit Ihr Wissen zusammen mit den Kenntnissen Ihrer Partner, in das bestehende Marketingkonzept Ihres Unternehmens eingearbeitet werden kann. Ihre Webseite ist die logische Ergänzung des bestehenden Marketingmix.”
Die abschließenden Worte gingen zum Teil in dem lang anhaltenden Applaus unter.
Ähnlich wie die Veranstaltung der IHK mit dem Vortrag von Dr. Carsten Ulbricht zur rechtssicheren Website, war auch dies ein ein kurzweiliger Abend mit vielen nützlichen Informationen. Schade für alle, die nicht da gewesen sind.
FAZIT
Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller verändert und sich ständig neuen technischen Herausforderungen stellt. Ohne Computer- und Inernetkenntnisse haben wir heute beruflich kaum noch eine Chance. Wir können aus der Entwicklung dieser Welt nicht aussteigen. Das habe inzwischen auch ich begriffen.
Aber eines liegt mir am Herzen: Sowohl der Computer als auch das Internet werden uns nicht geben können, was zu einem gelingenden Leben gehört. Wer nur den Computer kennt und sich ihm ausliefert wird mit seinem geistigen Leben Schiffbruch erleiden und ich wage zu behaupten, auch im Geschäftsleben.
Ein gutes Ranking mag wichtg sein, ja. Aber es ist nicht alles. Geschäfte werden immer noch von Mensch zu Mensch abgewickelt, was die beiden Aufträge, die wir an diesem Abend mit nach Hause nahmen, beweisen.
Einseitigkeit macht krank. Es ist der Mix, der’s macht! ![]()
Christa Schwemlein
Inkonsequent?
Achtung!
Dies ist ein unbezahlter Beitrag
Frag 100 Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche -
sie werden antworten: Die Messe.
Frag 100 Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe -
sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag 100 Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört antworten: Nein, alles soll bleiben wie es ist!
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Sie sind nicht katholisch? Sie können mit den Zeilen des Frankfurter Pfarrers Lothar Zenetti nichts anfangen? Halt! Nicht weg klicken! Ich versuche den Einstieg in den nachstehenden Beitrag anders:
Sag 100 Deutschen, dass das Wichtigste in unserer Gesellschaft der Wandel ist. Sie werden nickend zustimmen aber vieles beim Alten belassen.
Bevor ich weiter schreibe, muss ich Ihnen etwas gestehen. Dieser Beitrag sollte ursprünglich eine Fortsetzung des Beitrages „Veränderungen“ werden. Ich wollte Ihnen Lust auf Neues machen, auf neue Projekte, neue Träume. Noch laden die weißen Kalenderblätter ja dazu ein.
Dazu fielen mir dann die saloppen Sprüche von immer ein. Dass Stillstand Rückschritt ist. Dass man Altes loslassen muss, um Neues zu beginnen. Dass nichts so beständig ist wie der Wandel. Dass die Zeit eilt und, und, und…. Ach, Sie wissen schon.
Dass die Zeit eilt und alles, auch die schlimmsten Zeiten, einmal vorübergehen ist tröstlich und hat ja sein Gutes. ABER …
Und über genau dieses große ABER bin ich vergangene Woche gestolpert. Die Luft war frisch und klar und außer meinen Schritten im Schnee war auf dem Weg durch die verschneite Natur hoch zur Sattelei kaum etwas zu hören. Eine wunderbare Gelegenheit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen:
Loslassen? Ich wäre nicht die, die ich bin, wenn ich nicht auch was zum Festhalten hätte. Etwas Verlässliches, etwas mit Bestand. Den ganzen Beitrag lesen »
Ein Lob aus meinem Postkasten - Freu!!!
Liebe Christa,
ich muss sagen, ich bin überwältigt von Ihrer Seite!
Ich habe in den letzten beiden Tagen einige Stunden mit Lesen verbracht. Vieles spricht mir aus der Seele, einiges hat mich sehr berührt. Eine richtige Lebenshilfe!
Wie ich öfter erwähnt habe: Es gibt keine Zufälle und ich denke, es war vorbestimmt, dass wir uns kennengelernt haben. Und beim Lesen Ihrer Vita habe ich einige Gemeinsamkeiten festgestellt. Auch ich schreibe gerne, z. B. jährlich meinen Weihnachtsbrief an die Verwandtschaft, Freunde etc. und sammle Aphorismen und schöne Geschichten mein Leben lang.
Wir freuen uns sehr, dass wir Sie und Ihren Mann Walter kennenlernen durften und würden uns freuen, wenn wir uns mal wiedersehen. Unser Schwarzwaldmädel Fr. W. hat sich übrigens schon telefonisch gerührt. Wir haben mit dem Lachen einfach weiter gemacht!
Also, lasst es uns angehen und einen Termin finden. Bleiben Sie gesund und grüßen Sie Ihren lieben Mann recht herzlich.
Hans G. & Familie
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Lieber Hans,
vielen lieben Dank für Ihre E-Mail und das dicke Lob, worüber ich mich riesig gefreut habe. Ihre Mail habe ich jetzt mal ganz frech unter meiner Kategorie “Aus meinem Postkasten” veröffentlicht. Ganz einfach weil es mich so sehr freut und ich ganz unbescheiden damit auch ein wenig angeben kann.
Uns geht es ähnlich wie Ihnen. Wir haben die Tage im Bareiss mit Ihnen als Tischnachbarn sehr genossen und ein Wiedersehen müssen wir unbedingt in Angriff nehmen.
Unser Gespräch über die Zufälle arbeitet noch mit mir. Auch dass wir beide “Steinböcke” sind. Steinböcke sind einfach sympatische Menschen. Es gibt nichts besseres - oder?
Liebe Grüße an Sie und Ihre liebe Frau und bis bald.
Christa Schwemlein
Diesmal schaff’ ich’s nicht! - Das Tagebuch
Wieder einmal war sie mit ihrer Familie in Urlaub, als sie die Nachricht von dem Suizidversuch ihrer Mutter erreichte. Es war der dritte nach dem Tod ihres Vaters vor 5 Jahren.
Schon von weitem sah sie ihre Mutter alleine neben dem großen Aschenbecher an der Eingangstür des Krankenhauses stehen. Es war ein heißer Sommertag im August. Sie trug das ärmellose blaugrundige Blümchenkleid, dessen Saum schon seit ewigen Zeiten über dem rechten Knie herunter hing und das sie immer trug, wenn sie in diesem Zustand war. Das Loch im Kleid war neu. Hastig zog sie an ihrer Zigarette. Nie in ihrem Leben wird sie diesen hämischen Blick vergessen, der ihr zu verstehen gab: „Ha, hab’ ich’s mal wieder geschafft euch herzuholen.”
“WARUM gönnt sie uns diesen Urlaub nicht? Jetzt ist Schluss, ein für allemal Schluss”. schrie sie dem jungen Psychologen ins Gesicht. “Soll sich kümmern wer mag, ich nicht mehr. Ich bin jetzt Mitte dreißig, meine Kinder noch klein und vor lauter Mutter bleibt mir kaum Zeit für meine eigene Familie”. Wütend stand sie auf und ging. Die Rufe ihres Mannes hörte sie nicht mehr.
***
Zwanzig Jahre später, es ist dunkel als sie vom Altenpflegeheim nach Hause kommt. Sie mag mit niemanden reden, will einfach ihre Ruhe haben und sich an ihrem Schreibtisch den Tag von der Seele schreiben. Es schreibt sich nicht! Sie blättert in ihrem Tagebuch und findet auch bald den Eintrag, den sie sucht:
Sonntag, den 11. Mai 2008
Wie ein Häufchen Elend lag sie da. Ich war erschrocken als ich sie heute in dem schwülwarmen Zimmer der Intensivstation besuchte. Schon oft war sie im Krankenhaus. Aber jedes Mal hatte sie großen Wert darauf gelegt zur Besuchszeit „gerichtet“ zu sein. Ungeschminkt und unfrisiert, so kannte ich sie nur in ihren depressiven Phasen. Die eingefallenen Wangen, die Schläuche in der Nase, der dicke Bauch und die dünnen Beine trieben mir die Tränen in die Augen. Stumm saß ich an ihrem Bett. Traurig schaute sie mich an und schluchzte: „Glaub mir, diesmal schaff’ ich’s nicht.”
Was sollte ich darauf antworten? Sie ist 80 Jahre alt und krank, sehr krank sogar. Ich schwieg und sie schlief kurz ein.
Nach einer Weile fing sie zaghaft zu sprechen an. Warum erzählte sie mir von ihrem Leben, das eigentlich nicht schön gewesen sei, sie nie richtig glücklich gewesen war, sie vieles gerne anders gehabt und gemacht hätte? Warum belastet sie mich damit? WARUM?
Ich mag das alles nicht hören. Am liebsten wäre ich gegangen. Es ist nicht einfach auf solche Klagen eine Antwort zu finden. Doch irgendetwas hielt mich zurück. Plötzlich spürte ich sehr deutlich, dass jetzt die Zeit gekommen war über gemeinsame Erinnerungen zu sprechen. Ich musste da durch!
Gemeinsam ließen wir ihr Leben Revue passieren. Überrascht stellte sie fest, dass es da durchaus auch schöne Momente gab – auch mit uns beiden. Sie erinnerte sich an gelungene Familienfeste, die bis in die frühen Morgenstunden andauernden und meist mit einem kleinen Feuerwerk und dem Lied“, so ein Tag, so wunderschön wie heute“, lautstark endeten. Sie sprach über Menschen, die bereits vor ihr gegangen waren.
Schweigend saß ich an ihrem Bett und hörte zu. Das Reden strengte sie an. Nach der Episode, wie ich als kleines Kind in unserem Garten allen blühenden Tulpen die Köpfe abschnitt, nickte sie lächelnd ein. Ich glaube, so zufrieden habe ich sie noch nie erlebt.
Ich war bereits im Aufbruch, als sie mich bat noch ein wenig zu bleiben. „Weißt du was ein Segen war?“ Verdutzt blieb ich stehen. „Mein letzter Suizidversuch“, sagte sie leise. Die Gefühle, die in diesem Moment in mir hoch kamen, kann ich nicht in Worte fassen. Nie mehr wollte ich etwas davon hören. Dieses Thema hatte ich ausführlich behandelt und wie ich glaubte, auch abgehakt. Mit einem Schlag verwandelte sich meine gute Stimmung in Aggressivität. Ob sie es spürte? Ich weiß es nicht. Sie sprach auf jeden Fall unbeirrt weiter.
Sie erwähnte das Haus, das sie renovieren ließ und wie stolz sie war, die Finanzierung ganz alleine bewerkstelligt zu haben. „Weißt du noch, als ich nach Papas Tod noch nicht einmal wusste wie ein Überweisungsformular auzufüllen ist?“ Die Kurse bei der VHS haben ihr nicht zugesagt. Erst der Gesangverein brachte ihr das, was sie suchte: Freunde und Gemeinschaft.
“What shall we do with the drunken sailer?” Jetzt mussten wir beide lachen. Mit den englischen Liedtexten tat sie sich schwer. Was muss ein deutscher Chor aber auch englische Lieder singen! Italienisch hingegen fiel ihr leicht. Leise summte sie “Alta Trinità ….”, das sie in Rom sangen. Die Chorreise nach Rom sei sehr schön gewesen, erzählte sie mir, aber kein Vergleich zu Moskau. Schon alleine der Flug, es war ihr erster, war ein Erlebnis.
“Und dann ist da noch dein Lebensgefährte, mit dem du schon 15 Jahre zusammen bist und der sich rührend um dich kümmert. Siehst du, so schlecht war es dann doch nicht! Du hast es schon so oft geschafft. Du wirst es auch diesmal schaffen. Und deinen 81. Geburtstag feiern wir ganz groß”. Während ich ihr das versprach sah ich einen Funken Hoffnung in ihren Augen.
***
Lustlos rührt sie in ihrem Milchkaffee. Die zurückliegenden Monate ziehen an ihrem geistigen Auge vorbei. Der 81. Geburtstag im April vergangenen Jahres war ein schönes Fest mit 63 Gästen.
“Alta Trinità beata, da noi sempre … ” singt sie leise. Dabei greift sie zu einem Stift, schlägt eine unbeschriebene Seite ihres Tagebuches auf und schreibt mit Tränen in den Augen:
Mittwoch, den 6. Januar 2010
Ich glaube, diesmal schafft sie’s nicht!
© Christa Schwemlein
Blog-Parade-Blog
2010 startet ver-rueckt.net nun in die vierte Jahresetappe. Mein Blog ist mir inzwischen zu einem lieben Hobby geworden, das ich derzeit nicht missen mag. Die Beiträge über den Glaubenskurs in meiner Kirchengemeinde, meine kleine theologische Ausbildung oder unsere diesjährige Gewerbeschau waren eine gute Möglichkeit, meine Arbeit zu reflektieren und in Worte zu fassen. Einiges konnte ich mir von der Seele schreiben und nachdem es letztendlich zu „Blog“ gebracht war, wurde vieles klar und deutlich. Oftmals schrieb ich auch nur aus Spaß an der Freud.
Es gab aber auch Zeiten, das mag ich nicht verschweigen, da hätte ich gerne geschrieben und es schrieb sich einfach nicht. Stundenlang saß ich an solchen Abenden vor dem PC und es fiel mir beim besten Willen nichts zu schreiben ein. Wie froh und dankbar war ich dann um eine Blogparade, ein Schreibimpuls, der mein Blog wieder zu neuem Leben erweckte.

Fragen Sie mich jetzt bitte nicht welches meine liebste Parade war. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich hab’ bei allen Paraden gerne mitgeschrieben. Jedoch HaHaHa – Herz, Hirn und Hintern zaubert mir heute noch ein Schmunzeln ins Gesicht. Zu gerne wäre ich damals Mäuschen gewesen, um die Gesichter der Initiatoren und Mitschreiber beim Lesen meines Werkes zu sehen.
Ein Blog braucht Impulse. Daher vielen Dank an alle Initiatoren, die durch den Start ihrer Blogparade auch mein ver-ruecktes Blog in Bewegung brachten.
Christa Schwemlein
P.S.
Selbstverständlich bin auch ich mit vielen guten Vorsätzen in das neue Jahr gerutscht. Einer davon war, endlich mit dem Zeichnen anzufangen. Einen ersten Versuch können Sie oben bewundern. Ich finde ihn noch nicht einmal so schlecht. Übung macht den Meister. Mal sehen, vielleicht kann ich ja auch noch ganz anders.
Sie verstehen das jetzt nicht? Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig als diesen Beitrag zu lesen: Klick ![]()
Viel Vergnügen!
Veränderungen
Sie haben sich Skier und das entsprechende Outfit gekauft und stehen nun zum ersten Mal auf der Piste. Wenn Sie nicht gerade ein Naturtalent sind, werden Sie sich bei den ersten Versuchen mit Sicherheit unsicher, wenn nicht sogar ängstlich fühlen. Vielleicht nehmen die Erfahrungen der ersten Tage Ihnen auch die Lust weiter zu machen. Es könnte aber auch sein, dass aus dem Erlebten ein mutiges „Trotzdem“ oder ein „Jetzt erst recht“ wird und dies der Anfang einer großen Sportlerkarriere ist.
Wer weiß!
“Hier stehe ich, ich kann nicht anders”, hat Martin Luther auf dem Reichstag gesagt. In der Tat liegt es in der Natur von uns Menschen, das Gewohnte zum Maßstab unseres Handelns zu machen. Nur wenige Menschen lieben Veränderungen.
10 Kilo abnehmen, mit dem Rauchen aufhören oder weniger Alkohol trinken, zählen zu den “Top 10″ der guten Vorsätze für ein neues Jahr.
Vielleicht rutschen auch Sie morgen Abend mit einem guten Vorsatz ins neue Jahr? Dann wünsche ich Ihnen für Ihr Vorhaben viel Glück und Erfolg. Sollten Sie im Laufe des Jahres irgendwann einmal auf Hindernisse stoßen, so geben Sie nicht gleich auf. Holen Sie sich Luthers berühmten Ausspruch ins Gedächtnis und formulieren diesen Satz ganz einfach um. Nichts und niemand hindert Sie daran zu sagen:
Hier stehe ich. Und ich kann noch ganz anders!
In diesem Sinne einen guten Rutsch und auf ein gesundes Wiederlesen in 2010.
Christa Schwemlein
Ein kleiner Blogrückblick
In der Zeit zwischen den Jahren haben Jahresrückblicke Hochkonjunktur- auch in der Blogosphäre. Zum großen Blogrückblick 2009 ruft Gesichtet.net auf. Drei meiner liebsten Beiträge aus 2009 soll ich nennen und kurz vorstellen.
Geschrieben habe ich dieses Jahr 135 Artikel und alle sehr gern. Eine Auswahl zu treffen fällt mir schwer. Dennoch gibt es einige Posts, die mir spontan einfallen.
Mein Versuch mit Hilfe eines Sonderheftes von DATA BECKER auf Word-Press 2.7. umzusteigen, kommt mir in den Sinn „Perfekt bloggen mit WordPress - Eigenes Blog in 5 Minuten“ lautete das vollmundige Versprechen. Von wegen!
Eine ganze Familie war mit meinem Vorhaben beschäftigt und ich gestehe zerknirscht: Länger als 5 Minuten!
Während ich dieses öffentliche Geständnis ablege überkommt mich ein tiefes Schamgefühl. Es ist traurig. Aber ich mag es nicht länger verschweigen: Die Umstellung von Word-Press 2.3.3 auf Word-Press 2.7. übergab ich schlussendlich einem bezahlten Fachmann. Schuster bleib’ bei deinen Leisten, sag’ ich da nur.
Aber mein Vorhaben niederzuschreiben, das hat mir richtig viel Spaß gemacht und mich für all die Mühe entschädigt. Beim Schreiben habe ich mir ähnlich wie bei meiner Twitter Parodie „Ein normal verrückter Tag“ vor Lachen beinahe in die Hosen gepinkelt.
„Wenn Menschen zu Bestien werden“ war eine Weiterbildung, an der ich im Oktober teilnahm. „Gesichter der Macht“ war der Versuch meine Eindrücke von diesem Wochenendseminar zu verarbeiten. Ein Beitrag bei dem es nichts zu Lachen gab, den ich aber trotz oder gerade wegen seiner Ernsthaftigkeit sehr gerne schrieb.
Welche Artikel von fremden Blogs sind mir in diesem Jahr am meisten im Gedächtnis geblieben?
Im Juli stieß ich bei meinen Streifzügen durchs Netz auf das Blog von Anna-Lena. Unverhofft, hieß der Artikel, den ich zu lesen begann und der mir ganz unverhofft mitten im Tag einen herzhaften Lacher bescherte. Vorsicht! Für Männer ist dieser Artikel weniger geeignet. Es sei denn, ihr könnt über euch selbst lachen.
Zwei Schritte nach vorn, einer zurück, so unspektakulär diese kleine Geschichte vielleicht sein mag, so reicht sie, um bei mir in nachhaltiger Erinnerung zu bleiben.
Das Tao der Vergebung kam zu unserem diesjährigen Glaubensseminar wie gerufen. Diese Geschichte empfanden viele Teilnehmer als Bereicherung.
Die Blogparade endet am 31.12.2009. Wer Lust hat mitzumachen findet auf Blog-Parade.de nähere Einzelheiten.
Tschau, tschau!
Christa Schwemlein
Frohe Weihnachten
Liebe Leserinnen und Leser,
von wo immer Sie meine ver-rueckten Seiten lesen und wie immer Sie die Feiertage auch verbringen mögen: Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich für das bevorstehende Fest eine gute Zeit für- und miteinander.
Frohe und gesegnete Weihnachten!
Ihre
Christa Schwemlein
Wo wohnt Gott?
Als ich letzten Sonntag einfach „nur so“ in der Kirche saß kamen mir allerlei Gedanken.
„Ich bin auf der Suche nach Gott“ , schrieb mir Christina vor einiger Zeit. „Wo kann ich ihn finden?“
Im Halbdunkel und auf der schweren Holzbank sitzend kam ich ins Grübeln, allerdings ohne dabei an Falten zu denken.
Mir geht es ähnlich wie Ewald, der mir vor längerer Zeit schrieb, dass er Glaube meist im kirchlichen Kontext spürt und erlebt. Kirchen waren und sind auch heute noch für mich ganz besondere Räume. Die Atmosphäre einer Kirche ist etwas, das mich auf eigenartige Weise immer wieder neu berührt und in mir etwas zum Klingen bringt, das ich mit Worten nicht beschreiben kann. Dennoch bin ich überzeugt, dass Gott nicht nur in seinem Haus zu finden ist.
Fragt dich ein Hungriger „Wo ist Gott?“, dann gib ihm Brot und sage: „Hier ist Gott“.
So hätte vielleicht Mahatma Gandhi Christina’s Frage beantwortet.
Gott wohnt da, wo man ihn einlässt, wird in den Geschichten der Chassidim erzählt.
” Rabbi Menachem Mendel fragte einmal einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren: Wo wohnt Gott? Da lachten sie ihn aus: Wie redest du. Die Welt ist doch von Gottes Herrlichkeit. Er aber beantwortete die eigene Frage: Gott wohnt, wo man ihn einlässt.”
Vielleicht kommt Ihnen diese Geschichte suspekt vor und Sie fragen sich: Lebt Gott nicht in allem was lebt? Klar. Dennoch ist Gott nur da erfahrbar, wo ich mich von ihm berühren lasse, wo ich ihn einlasse.
Die Adventszeit kann ein Weg sein, das neu zu begreifen. Ich durfte gestern in einem Mannheimer Altenpflegeheim diese Erfahrung machen. Sobald ich mich wieder gefangen habe, möchte ich gerne hier auf meinen ver-rueckten Seiten davon erzählen.
Christa Schwemlein
Alleinsein
Ehrlich, es gab Jahre, da waren die Wochen des Advents alles andere als besinnlich und friedlich. Tagelang war ich damit beschäftigt Berge von Plätzchen zu backen, Haus und Wohnung auf Hochglanz zu bringen und mit den Kindern von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier zu hetzen. Oft war es so, dass ich von dem Zauber, der über diesen Wochen liegen soll nichts zu spüren bekam.
Dieses Jahr zwingt mich mein „Ischias“ zur Ruhe und Besinnlichkeit. Oder positiv ausgedrückt, er schenkt mir Zeiten des Alleinseins, stille Zeiten mit mir selbst. Meist nutze ich diese ungeplanten Leerzeiten für Spaziergänge, Besuche und Gespräche mit meiner Mutter oder wie heute, für einen Kirchenbesuch außerhalb der normalen Gottesdienstzeit, einfach “nur so”.
In meiner Kindheit waren Kirchen tagsüber geöffnet. Heute öffnen sich deren Türen meist nur zum Gottesdienst oder zu genau festgelegten Zeiten. Es war kurz vor 17.00 Uhr. Ich hatte Glück. Der Seiteneingang der Kirche war geöffnet. Drinnen war es dämmrig. Einzig ein paar Kerzen spendeten etwas Licht. Schwach roch es nach Weihrauch - das mag ich. In einer der hinteren Bänke nahm ich Platz und schaute.
Ein paar Reihen vor mir kniete eine Frau. Ihre Hände waren zum Gebet gefaltet, ihr Kopf gesenkt. Am Marienaltar standen zwei Personen. Eine von ihnen zündete eine Kerze an. Ich sah nach oben in die Kuppel. Danach fiel mein Blick auf den Altar und blieb an dem großen Holzkreuz hängen. Leise sprach ich ein Dankgebet, später Fürbitten. Ich hielt Rückblick auf die vergangenen Wochen und dachte an Menschen, die mir wichtig sind. Es tat mir gut, da zu sitzen und meinen Gedanken nachzuhängen. Ich weiß nicht mehr wie lange ich in der Bank saß. Irgendwie hatte ich die Zeit vergessen. Erst als ich anfing zu frieren bin ich gegangen.
Die Adventszeit ist gedacht als eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit, einer stillen Zeit zum Nachdenken, auch über sich selbst. Vieles ist verloren gegangen in unserer hektischen Zeit. Dabei ist das Alleinsein, das Eins mit sich selbst sein, eine ganz einfache Art der Regeneration. Nicht umsonst heißt es in einem Sprichwort: “In der Ruhe liegt die Kraft”
Eine liebe Bekannte erzählte mir neulich sehr begeistert von ihrem kürzlich besuchten Schweigewochenende, wie wohltuend es gewesen sei einmal aus dem Zwang der Kommunikation herauszutreten.
Mir schenken meine stillen Zeiten Ruhe und Gelassenheit. Sie ermöglichen mir in mich hineinzuhören, einen Zugang zu mir selbst zu finden und auch zu Gott. Vielleicht ist das der Grund, warum ich gerne einfach “nur so” ein Gotteshaus besuche.
Die Konfrontation mit sich selbst ist ein großes Abenteuer, das ich jedem nur empfehlen kann. Wer sich darauf einlässt, erfährt viel über sich, über Gott und die Menschen. Also, warum nicht einmal die Zeit vergessen? Jetzt im Advent ist die Zeit dazu.
Für die restlichen Adventstage wünsche ich Ihnen von Herzen Zeiten der Stille, des Alleinseins und der Begegnung mit sich selbst – sei es auf einem Spaziergang, sei es im Halbdunkel einer Kirche oder wo auch immer.
Ihre
Christa Schwemlein
Foto: Ewald Erb
Das Tagebuch - “Dummerle” und “Dickerle”
Heiligabend: Raclette / 1. Weihnachtsfeiertag: Feldsalat mit Speck - Gans, Kastanien, Rosenkohl und Klöße- Apfel-Himbeergrütze / 2. Weihnachtsfeiertag: Reste / Sonntag: Essen gehen. Perfekt!
Sie nimmt die Rezeptsammlung und stellt sie ins Küchenregal zurück. Dabei fällt ihr Blick auf die in Reih und Glied stehenden Diättagebücher. Seit ihrem ersten Besuch bei den WW führt sie bei jeder Gewichtsreduktion Buch. Gewissenhaft notiert sie Erfolge, Aktivitäten und Befindlichkeiten. Das Schreiben ist wichtig für sie und ihren Erfolg. Sie mag diese stille Zeit, die nur ihr gehört. Gedankenverloren und in Erinnerungen schwelgend schlägt sie eines dieser Bücher im DIN A 4 Format auf und liest:
Donnerstag, den 23. Oktober 2005
TEIL 4 habe ich soweit durchgearbeitet. Auch mit dieser Lektion könnte ich mich noch längere Zeit beschäftigen. Meine Ungeduld zwingt mich jedoch weiter zu machen. Viele der psychologischen Themen und Arbeitsblätter erinnern mich an meine Therapie vor “zig” Jahren. Die Autorin des Abnehmkurses lehnt sich stark an meine damalige Therapeutin und deren Bücher an. Vielleicht arbeite ich deshalb so gerne mit diesem Programm. Hm, es stimmt wirklich, das was mir gefällt oder nicht gefällt hat immer mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun.
Hängen blieb ich bei dem Kapitel “Kosenamen und mehr” - wieder mal Einreden und Glaubenssätze! Es ist spannend zu erfahren, welch starken Einfluss Zuschreibungen auf die Psyche haben können.
Ich vermute, jemand, der die Erfahrung nicht gemacht hat, als Kind ständig wegen seines Gewichtes gehänselt worden zu sein, kann gar nicht nachempfinden welche Auswirkungen derartige Sticheleien auf das spätere Leben haben. Wie auch? Wie will jemand die Schmerzen anderer verstehen, wenn er selbst nicht weiß, wie sich diese Schmerzen anfühlen?
Mit Schrecken denke ich an die Erdkundestunden in der 6. Klasse zurück. Es verging keine Unterrichtsstunde, in der ich nicht zu spüren bekam dass ich, bedingt durch mein Gewicht, anders als meine Mitschüler war. Schon damals war es so, dass man erst dann dazu gehörte, wenn man die Norm erfüllte. Ich passte nicht in diese Norm und das, obwohl ich laut Meinung der Schulärztin nur wenig übergewichtig war.
Erdkunde, wie sehr habe ich dieses Fach gehasst. Regelmäßig musste ich nach vorne, um auf der Landkarte Städte und Flüsse hoch im Norden zu finden. Die Karte hing hoch. „Man“ hätte sie auch anders, niedriger, einstellen können. “Man” hätte, ja. „Man“ tat es aber nicht. Ich musste springen, um die Orte und Flüsse anzuzeigen. Springen, und immer wieder springen.
Damals war der Minirock in Mode. Hosen für Mädchen waren zu dieser Zeit an dieser Schule nicht erlaubt. Das Gelächter meiner Mitschüler und diesem Sadisten von Lehrer verfolgte mich lange Zeit. Irgendwann war ich in der Klasse die Dicke und zu Hause das „Dickerle“. Da meine schulischen Leistungen “nur” mittelmäßig waren, gaben mir meine Eltern einen Zweitnamen, „Dummerle“
Keiner meiner Mitschüler stand mir damals zur Seite. Im Gegenteil, sie fanden es lustig. In deren Augen war das, was sie taten, nicht schlimm.
Freunde, die mich hätten trösten können, hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine. Von meinen Eltern konnte ich keine Rückendeckung erwarten. Sie nahmen mich mit meinen Nöten gar nicht wahr. Sie hatten zu dieser Zeit ganz andere Probleme. Die Schwierigkeiten, die ich in der Schule hatte, waren für sie Kinderkram, der sich mit der Zeit verwächst.
Nach der mittleren Reife schwor ich mir wieder einmal:
- Ich werde schlank.
- Ich werde Freunde haben.
- Ich werde studieren und
- ich werde nicht weg sehen, wenn jemandem Unrecht geschieht.
All diese Kränkungen konnte ich nach dem ersten Klassentreffen in der Vergangenheit ruhen lassen. Mit Kosenamen, die auf meine Figur anspielen, spricht mich, mit Ausnahme meiner Mutter, heute niemand mehr an. Für sie bin und bleibe ich das “Dickerle” und das “Dummerle“.
Lange habe ich versucht dagegen anzukämpfen. Es hat mich jedoch so viel Energie gekostet, dass ich es irgendwann bleiben lies. Vor Jahren schrieb ich ihr einen Brief, in dem ich ihr mitteilte, dass ich jetzt anders bin als früher, dass ich mich verändert habe. Diesen Brief habe ich nie abgeschickt. Sie war einfach schon zu alt, um zu verstehen, was ich meine.
***
Nachdenklich klappt sie das Buch zu. Eine Unterhaltung von neulich kommt ihr in den Sinn. Sie spürt, wie dieses Gespräch sie plötzlich einfängt und berührt. Wer hat sich nun verändert? Sie oder ihre Schulkameraden? Das damalige Klassentreffen ist ihr plötzlich in lebendiger Erinnerung. Mit Sicherheit ist dieses besondere Ereignis auch irgendwo schriftlich festgehalten. Sie schmunzelt, während sie sich daran erinnert.
© Christa Schwemlein
Nein sagen
Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN
Kurt Tucholsky
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Ich weiß, es gibt genug Sprüche. Aber dieser passt gerade so schön zu den vorhergehenden Beiträgen, die da sind:
Schönen Abend noch ![]()
Christa Schwemlein
Nein, Danke sagen mag ich nicht!
Gestern Vormittag hatte ich zwei “Mutter-Kind“ Erlebnisse, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Das Eine in der Straßenbahn auf dem Weg in Mannheims City, das Andere kurz vor dem Rückweg auf unserem Wochenmarkt, genauer gesagt vor der St. Sebastian Kirche. Die Citypastoral hatte zu einem Begegnungsfest mit Musik und Gesang eingeladen, wie ich später erfuhr. Die Feier war fast zu Ende als ich dazu stieß. Ich bekam nur noch das Schlusslied mit.
“Möchtest du auch einen Nikolaus?“ fragte der als „Bischof-Nikolaus“ verkleidete Mann das blonde Lockenköpfchen. Die Kleine strahlte ihn mit ihren großen Augen an, als sie den Schokonikolaus entgegennahm. Süß sah sie aus.
“Wie sagt man?“ fragte die Mutter. „Ach lass sie doch“ antwortete die Oma anstelle der Enkelin. Die Mutter ließ sich nicht beirren und forderte ihre Tochter ein zweites Mal auf sich zu bedanken. Als diese sich weigerte, nahm sie ihr den Nikolaus aus der Hand und gab ihn zurück. Mit einem Schlag verwandelte sich das süße Engelchen in ein schreiendes Bengelchen. Sie stampfte mit dem rechten Fuß und ließ sich zornig auf die Erde fallen. Einige der Mitfeiernden versuchten die Mutter umzustimmen. “Sie ist doch noch so klein”, argumentierten sie.
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ist es zuviel verlangt Danke zu sagen, wenn man etwas geschenkt bekommt? Wer nicht Danke sagen kann, hat auch kein Geschenk verdient“, so oder so ähnlich antwortete die Mutter und zwar in einem Ton, der keine weitere Diskussion zuließ. Sie hob den Trotzkopf auf und ging.
Lohnt sich solch ein Aufstand?
Erziehung ist anstrengend und kostet Kraft, war mein erster Gedanke. Gleichzeitig war ich froh, diese mitunter mühevolle Lebensaufgabe hinter mir zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass es der jungen Mutter wichtig war ihrem Sprössling klar zu machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, etwas geschenkt zu bekommen. Sie erteilte ihrer Tochter eine Lektion, die wie ich finde, nie früh genug gelernt werden kann.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ist ein Sprichwort, das bestimmt jeder kennt. Kurz und knapp wird hier eine Lebensweisheit auf den Punkt gebracht. Worte wie „Bitte“ und „Danke“ sind Zauberworte, die Herze öffnen können. Sie sind ebenfalls Zeichen der Höflichkeit und einer guten Erziehung.
“Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten”, heißt es bereits in der Bibel und kann in Lukas 6,44 nachgelesen werden, soviel für die Freunde der “kleinen Bibelkunde“
Christa Schwemlein
Einmischen oder raushalten?
Auto oder Straßenbahn? Ich hatte nur ein paar Kleinigkeiten zu besorgen und entschied mich deshalb für die Bahn. Am „Stich“, der Endhaltestelle in Sandhofen, stieg ich ein. Es waren, obwohl ich heute sehr früh unterwegs war, bereits viele Menschen auf den Beinen. Ich hatte Glück und bekam noch einen Sitzplatz. Mir direkt gegenüber, in Fahrtrichtung, saß ein älterer Herr mit Stock und Hut, daneben eine Frau, etwa im gleichen Alter. Der Platz neben mir blieb unbesetzt.
Ein paar Haltestellen weiter, die Bahn war inzwischen gut voll, stieg eine junge Mutter mit ihrem etwa 9 jährigen Sohn zu. Sie nahm neben mir Platz. Der Sohn stand kaugummikauend daneben. Bald fing der Junior zu maulen an, er sei müde und wolle auch sitzen. Er habe auch ein Recht auf einen Sitzplatz. Nachdem er keine Ruhe gab und immer lauter wurde, gab die Mutter ihren Platz frei. Grinsend ließ er sich in den Sitz fallen. Ich hätte platzen können, ehrlich, als ich in das triumphierende Gesicht des Jungen sah.
Es dauerte nicht lange, da forderte der Kleine die ihm gegenüber sitzende Frau auf, mit ihm den Platz zu tauschen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Er forderte auf, er bat nicht. Freundlich erklärte sie, sie könne nur in Fahrtrichtung sitzen. Ihr werde sonst schlecht. Der Kleine blieb unbeeindruckt. Er fing an die Frau zu beschimpfen. Diese blieb zunächst ruhig, selbst dann noch als ihr das Kind die Zunge rausstreckte. Dennoch konnte ich eine gewisse Ratlosigkeit spüren. Keiner der Mitfahrenden sagte etwas – auch ich nicht. Alle schauten wir hoffnungsvoll auf die Mutter. Aber diese tat, als ginge sie das Alles nichts an. Die Situation spitzte sich zu und gipfelte darin, dass der Rotzbengel der Frau ins Gesicht spuckte und diese ihm daraufhin eine schallende Ohrfeige verpasste.
Jetzt hätten Sie mal die Mutter hören sollen. Körperverletzung sei das und sie werde den Vorfall anzeigen. Ich kann den Wortschwall gar nicht vollständig wiedergeben. Auf jeden Fall war die Empörung groß. Beim Aussteigen bat sie mich um meine Adresse, sie würde mich gerne als Zeugin benennen.
“Als Zeugin? Für was? Tut mir Leid, ich habe nichts gesehen.“
Sich einmischen oder sich raushalten – ein schwieriges, aber auch ein spannendes Thema.
Christa Schwemlein
Die Kasse klingelt!
Es war spät als ich letzten Freitag zum Hörer unseres Geschäftstelefones griff.
***
Guten Abend. Hier ist Frau H. Die Kasse klingelt.
Wie, die Kasse klingelt?
Ach entschuldigen Sie, dass ich so spät noch anrufe. Aber ich brauche mal wieder Ihren Mann.
Meinen Mann?
Ja, den Computer Fachmann.
Ach, jetzt verstehe ich. Wissen Sie, manchmal stehe ich auf dem Schlauch. Aber eigentlich müsste mein Mann bereits bei Ihnen sein. Als er vorhin ging sagte er mir, dass er schnell noch bei Ihnen die Kasse richten wolle.
S t i l l e
Ähm, spreche ich nicht mit Foto Mechnig?
NEIN! (schallendes Gelächter am anderen Ende)
Hier ist Frau H. Wir haben schon mehrmals miteinander telefoniert. Sie haben mir gesagt, ich dürfe auch zu vorgerückter Stunde anrufen. Das würde Ihnen nichts ausmachen. Im Gegenteil. Denn das sei ein Zeichen, dass bald wieder die Kasse klingeln würde.
***
Mann o Mann, manchmal steht Frau wirklich ganz schön auf dem Schlauch. Dennoch ist es erfrischend über sich selbst lachen zu können.
Christa Schwemlein
Ein Geständnis:
Das Klingeln der Kasse ist mir fast so lieb wie das Läuten der Kirchturmglocken.
Nichts bleibt wie es war?
So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt wie es war ….
sang einst Hannes Wader.
***
Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Orte zurückkehren um Menschen zu treffen, mit denen sie einst viel verband und die sie seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen haben?
Ehrlich, ich bin vor solchen Treffen immer ein wenig hin und her gerissen. Auf der einen Seite freue ich mich wie ein Kind auf das Wiedersehen, auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass nicht alles so geblieben sein kann wie ich es in Erinnerung habe. Nicht selten kehre ich von derartigen Reisen in die Vergangenheit zurück und stelle fest:
Aus! Vorbei! Es war einmal!
Was bleibt?
Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit und der fade Geschmack, dass es zu spät ist. Es wird Zeit loszulassen, endlich loszulassen!
Aber manchmal geht es mir wie Renate Blaes, die nach mehr als 35 Jahren ihre alte Heimat aufsucht, um auf den Spuren ihrer Vergangenheit zu wandeln. In Wittenau, im “Hirschen”, trifft sie ihre alte Freundin Ruth. Bei einem Glas Weißherbst gelingt es den beiden Frauen nach vielen Jahren ohne Reibungsverluste da anzuknüpfen, wo sich einst ihre Wege trennten.
Renate Blaes lebt und arbeitet als freiberufliche Designerin, Autorin und Fotografin in Bayern. Ihre Heimat, den schöne Ammersee, macht sie uns in ihrem Fotoblog schmackhaft. Dieses Blog war übrigens der Grund, unseren diesjährigen Sommerurlaub an dem von ihr so geliebten Ammersee ausklingen zu lassen. Schön wars dort!
Um auf alte Freundschaften und damit auf das Treffen von Renate und Ruth zurückzukommen, freue ich mich die Geschichte einer wiederentdeckten Freundschaft veröffentlichen zu dürfen.
Und wenn Sie diesen Beitrag gelesen haben teilen Sie mir doch bitte mit, ob Sie genau wie ich Appetit auf Schnitzel und Kartoffelsalat bekommen haben.
Genug der Worte. Hier kommt: “Ruth“!
Viel Vergnügen!
Christa Schwemlein
Eine Freundschaft - Renate und Ruth
Liebe Christa,
über Freundschaft habe ich über viele Jahre hinweg nachgedacht. Denn Freundschaft ist etwas ganz Besonders. Ich stelle hier einen Text rein - über meine Freundin Ruth. Mit der ich heute Abend übrigens nach bestimmt mehr als sechs Wochen telefoniert habe. Und es war wie immer … wohltuend.
***
Wir sind uns in der neuapostolischen Kirche über den Weg gelaufen – beim Kinderunterricht. Der fand in Freiburg statt, in der ehemaligen Sakristei eines hübschen romanischen Kirchleins. Und dort lernte ich nicht nur, was es mit der Bibel auf sich hat und was einen guten Menschen ausmacht, sondern ich lernte auch Ruth kennen. Sie war die jüngste von fünf Schwestern, und als Ursula, die Älteste, den Sohn unserer Nachbarn heiratete, verbrachte Ruth die Ferien bei ihr. Über mehrere Wochen Haus an Haus - da lag es nahe, dass wir Freundinnen wurden…
Als Kinder stromerten wir durchs Gelände, spielten Federball und rollten unsere kleinen Nichten (meine Schwester hatte derzeit auch ein Baby) im Kinderwagen über holprig-steinige Wege, in der Pubertät rauchten wir heimlich Zigaretten, lasen Bravo-Heftchen und schwärmten für Jungs, als Teenager erzählten wir uns über die ersten Küsse (Ruths erster Kuss dauerte zwei Minuten und wie sie die Zeit gestoppt hat, ist mir heute noch ein Rätsel), und als ich mit achtzehn der neuapostolischen Kirche den Rücken kehrte, verloren wir uns aus den Augen. Ich bekam lediglich noch mit, dass sie schwanger wurde und einen jungen Mann aus der Kirchengemeinde heiratete.
In den Turbulenzen der Jahre entschwand Ruth mehr oder weniger meinem Gedächtnis, nur hin und wieder erzählte meine Mutter mal was von ihr. Unter anderem auch, dass Ruth ins Hexental gezogen sei – nach Bollschweil, nur wenige Kilometer entfernt von Wittnau, dem Dorf meiner Kindheit.
Im Frühjahr vor vier Jahren nun wollte ich meiner Familie und Freunden von früher in Freiburg mal wieder einen Besuch abstatten. Normalerweise wohne ich bei so einem Besuch bei meiner Familie. Dieses Mal hatte ich was anderes vor, denn ich wollte meine Zelte in Wittnau aufschlagen, im “Hirschen”, dem Gasthaus gegenüber der Schule. Ich wollte einfach mal sehen, was sich in dem Dorf, das mich auf gewisse Weise geprägt hat und mit dem mich naturgemäß viele und einschlägige Erinnerungen verbinden, so getan hatte, und ich wollte auf auf den Spuren meiner Vergangenheit wandeln. Mich an früher erinnern, an Erlebnisse, Menschen und damit verbundenen Geschichten.
Diese Pläne im Kopf, kam mir plötzlich Ruth in den Sinn. Ob sie wohl noch in Bollschweil wohnte? Ich fackelte nicht lange, griff zum Telefon und rief die Auskunft an. Tatsächlich, der von mir genannte Name stand noch im Telefonbuch, ich notierte mir die Nummer und drückte die Tasten.
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Plätzchen zum 1. Advent
Versucherle
zum 1. Advent

Buttergebäck und Husaren
Vanillekipferl und Terrassen
Nougatrauten Nouugatstangen und Nougatkipferl
Schokoherze und Schokobrot
Walnussplätzchen
Moccaplätzchen
Mandelstangen
Florentiner
Viel Spaß beim Backen
und gutes Gelingen!
Christa Schwemlein
Advent
Liebe Leserinnen und Leser,
dieses Jahr freue ich mich ganz besonders auf die Adventszeit. Mein Ischias zwingt mich zur Ruhe und Besinnlichkeit, mit anderen Worten, ich laufe im Schongang.
So versuche ich die kommenden Tage bewusst zu gestalten und vielleicht gelingt es mir, etwas von dem besonderen Licht dieser Zeit zu spüren und aufzunehmen.
Ihnen wünsche ich, auch im Namen meines Mannes, einen stillen und soweit möglich stressfreien Advent.
Ihre
Christa Schwemlein
Was macht Frau?
Sie backt
und füllt Tütchen

für den Adventsmarkt der kfd am 1. Advents-Sonntag im Gemeindehaus der Sankt Bartholomäusgemeinde in Mannheim-Sandhofen. Der Markt öffnet nach dem Gottesdienst gegen 11.30 Uhr und endet gegen 17.00 Uhr.
Die Mitglieder der kfd Sandhofen freuen sich auf Sie.


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