7. April 2018 von Christa

Shiraz, die Stadt der Poeten, der Rosen und des Weines – Iran Folge 18

Die Menschen sind Glieder miteinander verwoben,
von gleichem Stoff aus der Schöpfung gehoben.

Hat das Leben ein Glied mit Schmerz versehen,
Die anderen Glieder vor Leid vergehen.

Du, der kein Mitleid mit anderen kennt,
bist unwürdig, dass man dich einen Menschen nennt.

Saadi, 13. Jhd

***

Heute wird’s poetisch. Am Vormittag stehen die Grabmale der beiden großen persischen Dichter Hafiz und Saadi auf dem Programm. Während der Fahrt dorthin lernen wir, dass die persische Literatur hauptsächlich auf den Gebieten des heutigen Iran, Afghanistan, Tadschikistan und Usbekistan entstanden ist und es nicht selten Dispute darüber gibt, welchem Land die Literaten der persischen Sprache überhaupt zuzuordnen sind. In einem Land, in dem die freie Meinungsäußerung nur bedingt zugelassen ist, spielt die historische Doppeldeutigkeit in der persischen Literatur heute eine große Rolle. Die persischen Dichter waren und sind wahre Meister des Doppelsinns. Als Parabel getarnt lässt sich so die eigene Meinung äußern.

Saadi, im 13. Jahrhundert in Shiraz geboren, war ein tief religiöser Mensch und wird im Iran nach wie vor verehrt. In seinen Werken geht es um Toleranz und Gerechtigkeit.

Hafiz, ebenfalls in Shiraz geboren, allerdings ein Jahrhundert später als Saadi. ist wohl der größte persische Lyriker. Mehr als fünfhundert Gedichte hat er geschrieben. Von ihm wird erzählt, dass er schon als kleiner Junge den Koran auswendig wiedergeben konnte. Deshalb auch der Künstlername Hafiz, was so viel heißt, wie: Der, der den Koran auswendig kann. Freizügig besang Hafiz die Liebe und den Wein und war deswegen nach der Revolution von 1979 so manchem Ajatollah ein Dorn im Auge.
Persische Dichter haben über Jahrhunderte hinweg andere Kulturen und Sprachen beeinflusst. So war auch Goethe ein großer Bewunderer von Hafiz’ Dichtkunst. Mit seiner Gedichtsammlung „Westöstlicher Diwan“ setzte er, der sich als geistiger Zwillingsbruder von Hafiz empfand, dem persischen Poeten ein literarisches Denkmal.

Das Hafiz-Mausoleum befindet sich in einer wunderschönen Parkanlage, die zu den schönsten Gartenanlagen der Stadt zählt.

Mausoleum Hafiz

Obwohl wir sehr früh hier eintreffen wimmelt es bereits von iranischen Touristen. Aus ganz Iran pilgern Menschen während der Nouruz-Feiertage hierher, legen Rosen an das Grabmal, streichen andächtig die Hände über den Alabaster des Grabes in der Hoffnung, dass der Segen des Poeten auf sie übergeht. Abseits der Menschenmenge holen unsere Reiseleiter einen Gedichtsband hervor und zitieren einige Verse der mittelalterlichen Dichter, zuerst in Farsi und dann auf deutsch.

Shiraz wurde einst von Achämeniden gegründet. Die Stadt hat verschiedene Blütezeiten erlebt. Heute zählt Shiraz zu den fünf größten Städten des Landes und sei, so unsere Reiseleiterin, die Lieblingsstadt der meisten Iraner.

Aufgrund des milden Klimas gedeihen in Shiraz viele Pflanzen, weshalb die Perser Shiraz auch den „Garten Irans“ nennen. Die Stadt ist vor allem wegen der berühmten Rosenzüchtungen bekannt. Allerdings ist die Rosenblüte erst im Mai, so dass uns diese Augenweide leider entgeht.  Die Stadt ist auch, so paradox das klingen mag, als Metropole des Weines gepriesen – zumindest zurückblickend. Weinliebhabern muss ich sicherlich nicht erzählen welch hervorragende Weine die Shiraz Rebe hervorbringt.

Nach dem Besuch des Hafiz Mausoleum machen wir uns auf den Weg zur „Nasr-ol-Molk-Moschee“, im Volksmund auch Rosenmoschee genannt. Weshalb, das erklären diese Bilder.

Rosenmoschee in Shiraz - Iran

Nische in der Rosenmoschee - Iran

Die Fenster des Gebetshauses sind aus bunten Glasmosaiken zusammmengesetzt. Das einfallende Sonnenlicht lässt den Gebetsraum in den wunderschönsten Farben erstrahlen. Das berauschende Farbenspiel lockt allerdings auch allerhand Touristen und einheimische Besucher an, weshalb von einer andächtigen Stille keine Rede sein kann.

Farbenspiel in der Nasr-ol-Molk-Moschee

Vor der Mittagspause drängen wir uns noch durch den Bazar. Wie in allen Bazaren sind auch hier die einzelnen Produktbereiche von einander getrennt. Beim Anblick der Stoffauslagen geht mir, ich kanns nicht anders sagen, das Herz auf.

Stoffbazar in Shiraz - Iran

Mir fällt auf, wie zurückhaltend die iranischen Händler sind. Ganz anders als in den anderen muslimischen Ländern, die ich bisherher besucht habe. Keiner von ihnen animiert uns zum Kauf. Mit einer Eisspezialität von Shiraz runden wir den beschaulichen Vormittag ab.

Safraneis, eine Eisspezialität von Shiraz

Den Nachmittag haben wir zur freien Verfügung. Walter und ich ziehen alleine los. Doch wehe wenn sie losgelassen tappt mein Mann auch gleich ins Fettnäpfchen. Doch davon im nächsten Beitrag ….  :-)

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Mittwoch, den 22. März 2017

Der Beitrag wurde am Samstag, den 7. April 2018 um 17:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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