3. August 2014 von Christa

Biblisches, Musikalisches, Anderes – Ostanatolien 07

Am siebzehnten Tag des siebten Monats setzte die Arche im Gebirge Ararat auf. (Gen 8,4).

Ob es sich in dieser Bibelstelle tatsächlich um den Berg Ararat handelt ist strittig. Nichts desto trotz beruht die Berühmtheit des biblischen Berges auf der alttestamentlichen Erzählung, nach der Noahs Arche während der Sintflut hier gestrandet sein soll.

Sehr früh haben wir heute Morgen Kars verlassen und sind nun auf dem Weg Richtung Süden. Im Bus spielt eine CD von „Ibrahim Tatlises“. Der Musiker ist ein bekannter Vertreter des Arabesk, eine Musikrichtung, die, wie der Name sagt, aus dem arabischen kommt. Sie entstand Ende der sechziger Jahre mit der starken Landflucht und Gastarbeiterbewegung, als mit den Menschen auch deren Lieder reisten. Arabesk ist heute eine Mischung aus türkischer Volks- und Popmusik sowie arabischen Klängen. Die traurigen Lieder von Heimweh und unerfüllter Liebe passen gut zu der steppenähnlichen Landschaft hier nahe der armenischen Grenze.

Steppenlandschaft auf dem Weg zum Vansee

Immer wieder ist die schneebedeckte Spitze des Ararat zu sehen. Mit 5137 Meter Höhe ist er der höchste Berg in der Türkei. Sein kleiner Bruder, der kleine Ararat, bringt es auf 3896 Meter und leistet ihm Gesellschaft. Es ist optimales Fotowetter und unsere Fotografen fiebern einem Fotostopp entgegen. Interessiert lausche ich dem fachmännischen Austausch über Blende, Brennweite und Belichtungszeit, ohne jedoch den Ehrgeiz zu haben, mich in diese Materie einarbeiten zu müssen. Schauen, draufdrücken, fertig! Mein Erinnerungsfoto ist schnell geschossen.

Ararat

Somit bleibt mir noch genügend Zeit, unserer Malerin beim Skizieren des mächtigen Vulkanberges über die Schulter zu schauen. Vor einigen Jahren habe sie mit der Malerei begonnen. Seither sind für sie, so wie für andere Menschen der Fotoapparat, Zeichenstifte und Wasserfarben unverzichtbare Reiseutensilien. Dieses Hobby fasziniert mich und ich bin mir ziemlich sicher, eines Tages auch die Buntstifte zwischen den Fingern zu haben.

Wir sind nun in der Grenzstadt „Doğubayazıt“, ca. 35 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Die Stadt wirkt arm und bietet selbst keine Sehenswürdigkeiten. Doch in unmittelbarer Nähe thront auf einer einsamen Felsenterrasse der grandiose Ishak-Pascha-Palast, der auch als das Neuschwanstein Anatoliens bezeichnet wird. Der Palast wurde in den letzten Jahren aufwändig restauriert. Die Aufteilung der Räume ist jedoch weitgehend erhalten und lässt den pompösen Lebensstil der ehemaligen Bewohner erahnen.

Ishak-Palast in Ostanatolien

Oberhalb des Palastes, etwas weiter den Berg hinauf, sind noch die Überreste der alten Festung und die Ruine einer Kuppelmoschee zu sehen. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die weite Ebene von „Doğubayazıt“.

Das alte Beyzit - Festungsruine und Kuppelmoschee

Die Strecke Richtung Süden nach Van, unserem heutigen Tagesziel, führt uns über den 2644 Meter hohen Tendürek-Pass. Am späten Nachmittag erreichen wir auf einer Hochebene von 1.700 Meter die Anfänge des größten Sees der Türkei, den Van-See. Er ist sieben Mal so groß wie der Bodensee. Wegen des stark sodahaltigen Wassers leben im See nur wenige Fischarten, diese aber in unvorstellbaren Mengen.

Bei Eintritt der Dämmerung machen wir am Burgberg von Tuspa, wenige Kilometer von Van entfernt, nochmals halt. Ich bin faul und erspare mir den steilen Aufstieg. Stattdessen stöbere ich in dem Souvenirlädchen am Fuß des Berges und genieße bei einem Cay den romantischen Blick auf die beleuchtete Burgruine von unten. Bei Dunkelheit beziehen wir die geräumigen und elegant eingerichteten Zimmer unseres Hotels. Am Ende eines Urlaubstages mit vielfältigen Eindrücken und 370 zurückgelegten Kilometern auf einer reizvollen Passstrecke bin ich todmüde und schlafe nach einem vorzüglichen Abendessen, trotz Zimmer zu der belebten Straße rund um den Van-See, sofort tief und fest ein.

Christa Schwemlein

Kleingedrucktes:
Erlebt am Freitag, den 11. Oktober 2013.

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 3. August 2014 um 14:52 Uhr veröffentlicht und wurde unter Kleine Bibelkunde, Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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