26. Mai 2012 von Christa

Geschafft!

Der 98. Deutsche Katholikentag, und mit ihm die gespannte Vorfreude, aber auch die Aufregungen im Vorfeld, die Arbeit und die kurzen Nächte als „Quartiermeisterin“ sind seit fast einer Woche Geschichte. Schade eigentlich. Nach all der Planung und den Vorbereitungen, den neuen Bekanntschaften, den Gesprächen und Begegnungen ist jetzt eine Leere da, die ausgehalten werden will.

Als “Quartiermeisterin” war ich, zusammen mit meiner Stellvertreterin,  für die Gemeinschaftsquartiere an zwei Schulen in Sandhofen zuständig. Etwa 400 Übernachtungsgäste sollten dort beherbergt und betreut werden. Je näher der Termin rückte, umso mulmiger wurde mir. Doch manchmal regeln sich Dinge von ganz alleine. Wegen eines technischen Defektes fiel eine Schule aus, so dass letztendlich nur noch eine Schule zu versorgen war. Das war schade, aber auch eine große Erleichterung. Hatte ich doch jetzt einen „Helferüberschuß“ und konnte aufgrund der neuen Situation die Einteilung so vornehmen, dass wir alle etwas von unserem großen Glaubensfest hatten.

Kaum hatten die Schülerinnen und Schüler am Mittwoch das Schulgebäude verlassen standen auch schon die ersten Gäste, bepackt mit dicken Ruck- und Schlafsäcken, gutgelaunt vor der Tür. Gegen Abend hatten alle Katholikentagsteilnehmer Quartier bezogen und waren zum „großen Aufbruch“ bereit.

Katholikentagsbesucher sind Frühaufsteher! Das war mir so nicht bewusst. Vielleicht weil ich selbst noch nie an einem Katholikentag teilgenommen habe. Ich mag solche Großveranstaltungen nicht. Die ersten Gäste verließen bereits kurz nach 7.00 Uhr das Haus, um den Tag mit einem der angebotenen Morgengottesdienste starten zu können. Das hieß auch für uns: Früh aus den Federn – vier Tage lang! Gegen 10.00 Uhr konnte ich die Schule schließen und selbst ein bisschen Katholikentagsatmosphäre schnuppern.

Es war berührend so vielen Menschen zu begegnen, die mich auf meinem bisherigen Glaubensweg begleiteten. Fast den halben “Theologischen Kurs” habe ich auf Mannheims Planken getroffen. Die Freude war groß. Aber nicht nur Teilnehmer des “Theologischen Kurses” traf ich unverhofft in Mannheim, auch Menschen von den verschiedensten kirchlichen Fort- und Weiterbildungen. Alle Gespräche waren mehr als nur ein Smalltalk. Es war, als wären wir erst gestern auseinander gegangen.

Vorm Bloggertreffen hatte ich Bammel. Du oder Sie? Würde es mir wieder, wie vor Ostern, die Sprache verschlagen? Mann, war ich nervös. Die Sorge war unberechtigt, hatten wir doch alle ähnliche Interressen und viele Gemeinsamkeiten.

An zwei Abenden öffnete das „Nachtcafé“ in unserem Gemeindesaal seine Türen. Das Angebot zu einem „Absacker“ wurde gerne angenommen. Ein kleiner Imbiss stand ebenfalls bereit. Die Themenvielfalt in der Runde war so bunt wie die Teilnehmer selbst. Die Begegnungen und der Austausch des Erlebten war ein gelungener Tagesabschluss.

Alles in allem: Die Tage waren unglaublich anstrengend. Aber dafür liegt eine tolle Woche mit unendlich schönen Erfahrungen hinter mir. Es sind für mich, um mit den Worten von Frederick zu sprechen, Sonnenstrahlen für die kalten Wintertage. Den Übernachtungsgästen scheint es auch gefallen zu haben, was die zahlreichen Dankschreiben beweisen. In einer Pressemitteilung ist von einer Teilnehmerin, die an unserer Schule untergebracht war, zu lesen: Sie habe schon viele solcher kirchlichen Großveranstaltungen besucht.

„Aber eine Woche vor Beginn eine Postkarte aus der gastgebenden Pfarrei mit ‚Wir freuen uns auf Sie’ und zur Begrüßung im Sammelquartier Kaffee, Kuchen und Obst und einen derartig herzlichen Empfang – das gab es noch nie.“

Bleibt zu wünschen, dass der Geist des Katholikentages auch in unsere Kirchengemeinde getragen wird.

In diesem Sinne -
Frohe Pfingsten!

Ihre
Christa Schwemlein

Foto: Martina Diehl

Der Beitrag wurde am Samstag, den 26. Mai 2012 um 21:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter Eigene Gedanken zu..., Freundschaft, Glück, Kirche, Vertrauen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Eintrag Nr. 7476 | Kategorie Eigene Gedanken zu..., Freundschaft, Glück, Kirche, Vertrauen | 2 Kommentare »





2 Reaktionen zu “Geschafft!”

  1. F. M.

    Na endlich mal ein positiver Bericht über den Katholikentag! DANKE! Sonst findet man ja fast nur Häme bei den Katholiken, oder den Wunsch, dass der katholikentag am besten gar nicht stattgefunden hätte.

    Nochmals Dank auch im Namen vieler KatholikInnen für Ihr persönliches Engagement, von einem Ihrer Nächsten (der in einem früheren Leben mal “in der China gschafft hat”).

  2. Christa

    Nanana Frank, so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Ich habe sehr viel Positives erlebt und gehört, gerade auch von Menschen, die wie ich als Helfer mitgewirkt haben.

    Aber ich gebe Ihnen dennoch Recht die Häme war groß. In meiner Gemeinde hielt sich die Begeisterung und die Bereitschaft diesen Event zu unterstützen in Grenzen. Die Enttäuschung und die Resignation war bei der Helfersuche sehr deutlich zu spüren. Mehr als die Hälfte meiner “Helfer” gehörten einer anderen oder gar keiner Konfession an. Das stimmt nachdenklich.
    Es steht derzeit mit dem Image der katholischen Kirche ja auch nicht zum Besten. Sie gilt als rückständig und verkrustet, Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind verloren gegangen. Ich bin mal gespannt wohin das führt. In der Wirtschaft ist Glaubwürdigkeit das A+O. Ich denke das Unternehmen “Kirche” wird, wenn es den Aufbruch nicht wagt, wie so manches Wirtschaftsunternehmen früher oder später zugrunde gehen.

    Wie auch immer, mir und meinem Helferteam hat es sehr viel Freude bereitet. Den Rücken kehren ist nicht mein Ding, dazu ist mir die “Botschaft” zu wichtig. Wenn ich gehe, kann ich nicht mehr mitmischen. Dann geht es mir vielleicht wie einem Blogkollegen, der mir einst schrieb:

    “… habe mit logischen Erklärungen alles zur Seite gelegt – ganz schlau, konnte alles begründen was mir wichtig war. Nur danach fehlte mir eine Menge.”

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