22. Januar 2018 von Christa

Iran? – Folge 02

Iran? Bist du verrückt?“ „Das ist doch gefährlich!“  „Hast du keine Angst?“  „Du weißt aber schon, dass du da Kopftuch tragen musst und keinen Alkohol trinken darfst“, waren Sätze, die ich immer wieder zu hören bekam, als ich von meinen Reisplänen erzählte. Noch keine meiner Reisen hatte bei meinen Freunden und Bekannten so ein großes Echo ausgelöst wie diese. Nein, Angst hatte ich keine. Den Reiseveranstalter, bei dem wir diese Studienreise gebucht hatten, habe ich während meiner Berufsjahre im “Reisebüro Schumacher” als ein umsichtiges Unternehmen kennen gelernt. Ich vertraute darauf, dass er, wie im Katalog beschrieben, Reiseziele mit einem erhöhtem Sicherheitsrisiko meiden wird. Selbstverständlich war für mich auch, will ich dieses Land bereisen, habe ich mich an die islamischen Bekleidungsvorschriften zu halten. Konkret heißt das für Frauen: Haare müssen in der Öffentlichkeit mit einem Tuch bedeckt und die Körperformen verhüllt sein.

Samstag, den 11. März 2017

Endlich ist es soweit. Um 14.00 Uhr steigen wir ins Flughafentaxi von „mal Anders Reisen“. Ich bin aufgeregt. Irgendwie ist diese Reise anders. Die Formalitäten am Frankfurter Flughafen gehen zügig und problemlos von statten, ebenso die Pass- und Personenkontrollen. So bleibt noch genügend Zeit für einen Kaffee.

In der Flughafenbar - Frankfurt

Ein einzelner Herr mittleren Alters sitzt mit uns an der kleinen Flughafenbar. Sein korrektes Erscheinungsbild lässt mich einen Geschäftsreisenden vermuten. Amüsiert beobachte ich, wie er die kleine Weinkarte studiert und sich schließlich für einen „Italiener“ entscheidet. „Jetzt gibt es eine Zeitlang nichts“, murmelt er verlegen zu uns herüber und hebt das Glas. Fachkundig schwenkt er den Wein, versenkt seine rote Nase im Glas und nimmt einen kräftigen Schluck. Zufrieden stellt er das Glas vor sich ab. Die Wehmut über die bevorstehende Abstinenz ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Wie’s uns wohl mit dem unfreiwilligen Alkoholverzicht gehen wird?

„Sie fliegen auch nach Teheran?“ spricht mich der mir gegenübersitzende Mann im Abfluggate freundlich an. „Ja, ich erfülle mir einen langgehegten Traum“, antworte ich. „Was träumt man denn vom Iran?“ will er neugierig wissen. „Von Ali Baba und den vierzig Räubern“, scherze ich. Ich erzähle ihm von meinen vergangenen Reisen in muslimisch geprägte Länder und wie der Wunsch, die persische Kultur kennen zu lernen allmählich immer stärker wurde.
„Wir nutzen die Schulferien, um unsere Familien in Kermanschah zu besuchen,“ fährt er das begonnene Gespräch fort und stellt mir seine Frau und seine beiden Töchter vor. „Ich trage in diesem Jahr zum ersten Mal ein Kopftuch,“ mischt sich die ältere der beiden Mädels aufgeweckt ins Gespräch. „Dann bist du also schon 9“, stelle ich fest.  „Ja“, antwortet sie stolz.

Er erzählt, dass er seit nunmehr dreißig Jahren in Hamburg lebt. Während des Irak-Irankrieges haben ihn seine Eltern zu Verwandten nach Deutschland in Sicherheit gebracht. 15 Jahre war er damals alt. Nach dem Studium wollte er ursprünglich wieder zurück. Doch dann kam alles ganz anders. Deutschland ist zur Wahlheimat der jungen Familie geworden. Interessiert wirft er einen Blick auf unsere Reiseroute und staunt. „Das ist eine gewaltige Strecke. Haben Sie auch genügend warme Sachen dabei? Sie werden sie brauchen. Im Norden ist es um diese Jahreszeit noch empfindlich kalt.“ Er deutet auf einen Punkt in der Karte. „Sehen Sie hier, nahe der Grenze zum Irak, liegt Kermanschah“.

Iran

Ich erfahre, dass seine Heimatstadt in der gleichnamigen Provinz liegt, dort überwiegend Kurden leben und während des Krieges schwer zerstört wurde. Die Zeit bis zum Abflug ist kurzweilig und vergeht in der netten Gesellschaft wie im Flug. Vor dem Einsteigen in die große „Boing 747“ verabschieden wir uns und verlieren uns danach aus den Augen.

Fünf Stunden später landen wir kurz vor Mitternacht in Teheran. Im Vergleich mit anderen Weltstadtflughäfen ist hier wenig Betrieb. Wir reihen uns in die Schlange vor dem Kontrollschalter für ausländische Staatsbürger ein. Ich trage inzwischen Kopftuch. Mir ist ein wenig mulmig zumute. Eine Bekannte erzählte mir, dass von ihrer Reisegruppe ein Teilnehmer nicht einreisen durfte. Grund war ein Schreibfehler im Visum. Hoffentlich ist mit unseren Dokumenten alles in Ordnung. Ist es. „Willkommen im Iran und einen schönen Aufenthalt in unserem Land“, begrüßt mich der Beamte auf deutsch und händigt mir nach einer kurzen Prüfung meinen Reisepass wieder aus.
Der Flughafen „Imam Khomeini“ liegt außerhalb der Stadt und so sind wir noch eine gute Stunde mit dem Bus unterwegs. Es regnet und auf den Straßen ist für diese Uhrzeit ungewöhnlich viel Verkehr. Um drei Uhr in der Früh’ treffen wir endlich in unserem Hotel in Teheran ein. Jetzt heißt es schnell schlafen. Das wird eine kurze Nacht.

Christa Schwemlein

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Samstag, den 11. März 2017

Der Beitrag wurde am Montag, den 22. Januar 2018 um 19:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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