8. April 2015 von Christa

Kirchentag – Zentralanatolien 04

Wir wohnen im Gewölbekeller eines alten Herrenhauses aus osmanischer Zeit. Durch das winzig kleine Fenster kommt so gut wie kein Licht. Das stört mich; ebenso der modrige Geruch. Auch sonst ist das Zimmer wenig komfortabel. Ich hatte mich gefreut die Koffer auspacken und vor der Abreise neu sortieren zu können. Doch im Zimmer fehlt der Stauraum. Wir sind enttäuscht, ich mehr als mein Mann. Ein „Boutiquehotel“ hatte ich mir anders vorgestellt, ebenso den im Reisekatalog ausdrücklich erwähnten Rosengarten, in dem ein einziges Röslein blühte. Einige Reiseteilnehmer konnten die Zimmer wechseln. Uns bietet man ebenfalls einen Umzug an. Doch mein Mann und ich beschließen zu bleiben, heißt es doch in einem Sprichwort: Es kommt selten etwas Besseres nach. Das Frühstück ist einfach aber gut; das Hotelpersonal sehr freundlich.

Mustafapaşa (gesprochen Mustafapascha) liegt im Herzen Zentralanatoliens. Das Dorf war ursprünglich eine Stadt der Griechen und hieß bis 1923 „Sinasso“. Nach der Ausweisung der Griechen zogen Türken hierher und gaben dem Ort den heutigen Namen. Vieles im Ort erinnert an die griechische Vergangenheit. Von hier starten wir unsere Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten Kappadokiens.

Unser erstes Ausflugsziel ist Uçhisar, eine der ältesten Siedlung Kappadokiens. Bei den „3 Grazien“, einer Felsformation von drei freistehenden „Tuffsteinkegeln“, machen wir unseren ersten Fotostop.

Die drei Grazien in Kapadokien

Danach werfen wir einen Blick in das sogenannte „Taubental“. Die Tradition der Taubenhäuser reicht bis in die römische Zeit zurück. In den künstlich angelegten Höhlen wird wie seit Hunderten von Jahren Taubenmist gesammelt und als Düngemittel verwendet. Obwohl Taubendung nach wie vor als bestes Düngemittel gilt, wird er heute meist durch Kunstdünger ersetzt.

Uçhisar erreichen wir am frühen Vormittag. Wahrzeichen des Dorfes ist der 1460 Meter hohe Tuffsteinfelsen.

Uchisar in Kappadokien

Nach einem kurzen aber sehr steilen Anstieg verschlägt es mir oben auf dem Burgberg die Sprache. Ich schaue auf einen fantastischen Skulpturenpark und mein erster Gedanke ist: „Ein Wunder der Natur“.

Inzwischen hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht und brezelt gnadenlos auf unsere Köpfe. Ähnlich wie in Ankara die Regenschirmverkäufer machen heute die Sonnenhutverkäufer gute Geschäfte.

Um die Mittagszeit spazieren wir durch das Paşabaği-Tal, das „Tal der Mönche“. Hier stehen die höchsten und eigenwilligsten Erdpyramiden Kappadokiens. Auch wenn es schwer fällt es zu glauben, so sind diese skurrilen Felsen, die wie überdimensionale Pilze anmuten, ein Produkt der Erosion. Man nennt solche Erdpyramiden übrigens Feenkamine.

Tal der Mönche in Kappadokien

Ein weiterer Höhepunkt des heutigen Tages ist das touristische Göreme. Das Dorf ist das Zentrum Kappadokiens. Es liegt inmitten einer märchenhaften Tuffsteinlandschaft und zählt zu den ganz frühen Orten des Christentums. Wir erreichen es am frühen Nachmittag. Mehr als tausend Jahre sollen Christen im Tal von Göreme gelebt haben. Im nahegelegenen Freilichtmuseum besichtigen wir die besterhaltesten Felsenkirchen. Die Wandbilder, die wir hier sehen, sind Höhepunkte der byzantinischen Kunst und stehen wie so vieles in der Türkei auf der Unesco-Welterbeliste.

Die ständigen Auf- und Abstiege sind mühsam und anstrengend. Höhepunkt der heutigen Kirchenbesichtigungen ist zweifelsohne der Besuch der „Dunklen Kirche“, deren Malereien als die besten in Göreme gelten. Die restaurierten Fresken zeigen vorwiegend Szenen aus dem Leben Jesu. Dunkle Kirche deshalb, weil sie bis auf das winzig kleine Fenster im Vorraum keine weiteren Fenster hat. Nach der letzen Kirche, die außerhalb des Museumsgeländes liegt, führt uns Ender in einen Weinkeller. Wir trinken Wein, der wie Most schmeckt und hören sehnsuchtsvolle orientalische Lieder, vorgetragen von einem Saz-Sänger. Obwohl noch Saison ist sind wir die einzigen Gäste in diesem großen Gartenlokal. Für diejenigen, die es vielleicht nicht wissen, die Saz ist eine anatolische Laute.

Nach dem Abendessen und einem doppeltem Rakı falle ich an diesem Abend todmüde ins Bett und schlafe wie ein Engelchen.

Christa Schwemlein

Kleingedrucktes:
Erlebt am Samstag, den 31. Mai 2014.


Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 8. April 2015 um 18:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter Kirche, Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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