12. Februar 2018 von Christa

Hamadan, steinerne Löwe, Avicenna und Grab der Esther – Iran Folge 11

Es ist ungemütlich kalt. Nur vier Grad zeigt das Thermometer heute Morgen. Die Österreicher sitzen bereits auf ihren Stammplätzen, zweite, dritte und vierte Reihe. Die Schweizer sind sich noch nicht schlüssig. Noch haben sie die Wahl. Ich entscheide mich heute für die lustige Gesellschaft im hinteren Drittel des Busses. Ich mag den trockenen Humor unserer Richterin aus Münster. Bis es los geht, blättere ich ein wenig in meinen gestrigen Reisenotizen:

Hamadan liegt 1.800 Meter hoch und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die vor über 2.500 Jahren Kernland der Meder war. Sie erinnern sich. Die Meder waren die mit den Röcken und sind 715 – 550 v.Chr. anzusiedeln. Wegen der Höhenlage zählt die Provinz Hamadan zu den kältesten Provinzen im Iran. Der höchste Berg ist der der circa 3.580 Meter hohe Alvand. Acht Monate im Jahr soll hier Schnee liegen. Der März ist einer davon.

Die Stadt Hamadan blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Unter der heutigen Stadt liegt das alte medische Hagmatana, die ehemalige Hauptstadt des iranischen Meder-Reiches, die von den Griechen Ekbatana genannt wurde. Wegen der heutigen Überbauung konnte die alte Stadt noch nicht vollständig erforscht werden. Jedoch wird der Hagmatana Hügel seit 1995 von einem iranischen Archäologenteam ausgegraben und die Funde in einem kleinem Museum vor Ort präsentiert. Hamadan, so wird außerdem erzählt, soll die Heimatstadt der Heiligen Drei Könige gewesen sein. Von hier seien sie nach Bethlehem aufgebrochen.

Auch wir brechen jetzt auf. Um 7.30 Uhr verlassen wir das Stadtzentrum und fahren als erstes das “Ganj-Nameh-Tal” an.

Hamadan

Hamadan 02

Das beliebte Ausflugsziel liegt am Fuße des mächtigen Alvand-Gebirges und erinnert, obgleich die Berge nur leicht mit Schnee bedeckt sind, an ein europäisches Skiparadies.

Landschaft um Hamadan-Iran

Nach einem kurzen aber steilen Anstieg stoßen wir auf eine Felswand, in die zwei Keilschrifttafeln aus achämenidischer Zeit gemeiselt sind.

achämenidische Felsinschriften

Lange Zeit vermutete man, dass die Inschriften der Tafeln den Weg zu einem verschwundenen Schatz beschreiben. Tatsächlich handelt es sich aber um Lobpreise der Perserkönige Darius und Xerxes, die mich an das apostolische Glaubensbekenntnis erinnern.

Wieder zurück in Hamadan stehen wir vor dem „Steinernen Löwen“, der vermutlich von Alexander dem Großen errichtet wurde. Die stark verwitterte Skulptur hat in Hamadan den Ruf eines Talismans. Frauen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, entzünden hier Kerzen und deponieren kleine Steine. Da ich schon zwei Kinder habe fühle ich mich dann doch mehr zu den Fitnessgeräten im Park, an denen jeder kostenlos trainieren kann, hingezogen.

Steinerne Löwe in Hamadan Iran

Nach der körperlichen Ertüchtigung in der Grünanlage statten wir dem legendären Mediziner Abu Ali Sina, alias Avicenna, einen Besuch ab.

Avicenna

Er ist einer der bedeutendsten Philosophen und Ärzte des Irans und Ihnen vielleicht aus dem Film „Der Medicus“ bekannt. Avicenna starb 1037 in Hamadan. Zu seinem Gedenken wurde 1953 ein Mausoleum erbaut, in dessen Erdgeschoss sich heute ein kleines Museum mit Schriften und Instrumenten aus dem Besitz des großen Mannes befinden. Direkt am Mausoleum befindet sich ein Lädchen. Hier decken wir uns mit Kräutern und Salben gegen unsere verschiedene Wehwechen ein.

Danach besuchen wir das Mausoleum der biblischen Esther und deren Onkel Mordechai. Das Alte Testament erzählt im „Buch Esther“, wie Königin Esther das jüdische Volk vor einem Genozid bewahrte. Dieses Ereignis soll zum jüdischen „Purim-Fest“ geführt haben, das von den Juden bis heute noch weltweit gefeiert wird. Das Mausoleum war und ist eine wichtige Pilgerstätte der iranischen Juden und das obwohl nach neueren Erkenntnissen gar nicht sicher ist, wer tatsächlich in diesem jüdischen Grabheiligtum beigesetzt wurde. Eine Synagoge und ein jüdischer Friedhof sind dieser Gedenkstätte angeschlossen. Hamadan war einst Zentrum jüdischen Lebens. Heute besteht die jüdische Gemeinde nur noch aus wenigen Familien.

„Was die Juden betrifft, verweist die iranische Führung gerne auf das alte Band, das Iraner und Juden verbindet. Es geht zurück auf Kyros den Großen, den Begründer des persischen Weltreiches. Als er im Jahr 539 vor Christus Babylon einnahm, befreite er die Juden aus der sprichwörtlichen Babylonischen Gefangenschaft, die ein halbes Jahrhundert gedauert hatte, und erlaubte ihnen die ungehinderte Ausübung ihrer Religion“, schreibt die Journalistin und Autorin Charlotte Wiedemann in ihrem 2017 erschienen Buch „Der neue Iran – Eine Gesellschaft tritt aus dem Schatten“.

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Samstag, den 18. März 2017 – Vormittag

Der Beitrag wurde am Montag, den 12. Februar 2018 um 18:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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