18. April 2015 von Christa

Gewebte Träume – Zentralanatolien 07

Um 4.20 weckt mich der Gesang des Muezzin. Trotz der frühen Morgenstunde bin ich gut ausgeschlafen. Heute Nacht habe ich wieder geträumt. Diesmal von meiner Zeit bei der Bank. Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, alle waren zum Greifen nah.

Gleich nach dem Frühstück geht es mit Träumen weiter. In einem Teppichzentrum wenden wir uns von Menschen gewebten Träumen zu. Auf diesen Abstecher hätte ich gerne verzichtet. Doch mit gefangen mit gehangen. Ich bin gespannt, ob uns derselbe Besitzer wie in Ostanatolien begrüßen wird? Es ist ein anderer, jedoch nicht minder redegewandt. Mit hellblauen Jeans und einem gebügelten weißen Hemd gekleidet steht er in Sachen Mode seinem ostanatolischen Kollegen in nichts nach. Die braunen Lederschuhe glänzen frisch geputzt und harmonieren perfekt mit dem breiten Gürtel um die Hüfte. Auch er wirkt wie aus dem Ei gepellt. Merken Sie was? Giorgio Armani hat recht, wenn er sagt: “Eleganz heißt nicht ins Auge zu fallen, sondern im Gedächtnis zu bleiben.” ;-)

Es folgt das gleiche Programm wie im Herbst 2013. Wir hören die Geschichte des anatolischen Teppichs, erfahren etwas über die Gründungsgeschichte des Familienbetriebes, schauen den Knüpferinnen bei der Arbeit zu, lernen die unterschiedlichen Muster und Techniken kennen und erfahren, dass diese Beschäftigung den Frauen zu gesellschaftlicher Anerkennung verhilft. Danach werden wir in einen Raum voll mit Teppichstapeln geführt.

Besuch in einer Teppichmanufaktur

Dort reichen uns die deutschsprechenden türkischen Verkäufer einen Tee und die Verkaufsshow beginnt. Vor Beginn weist uns der Inhaber der Manufaktur noch kurz darauf hin, dass Handeln in seinem Betrieb nicht üblich ist. Schließlich seien die hier gefertigten Teppiche alle, ohne Ausnahme, Handarbeit und Handarbeit werde auch in der Türkei immer teurer. 50 Euro seien hier und da vielleicht mal drin, mehr aber auch nicht. Im Übrigen seien Teppiche Beziehungssache. Der beste Teppich, das müssen wir wissen, sei nicht der teuerste, sondern der, der mit uns spricht und den Weg in unsere Herzen findet. Teppiche sind also Herzenssache. Ein schönes Bild und irgendwie macht dieser Vergleich mir den Patrone sympathisch.

Nach der Vorführung bummeln wir durch die Verkaufsräume und schauen uns, ohne das Gefühl zu haben etwas kaufen zu müssen, in aller Ruhe die farbenprächtigen Kunstwerke an. Tatsächlich wurden wir, wie vom Chef eingangs versprochen, in keinster Weise zum Kauf animiert.

Nun sind wir zur Weiterfahrt bereit. Fast bereit. Einer der Teppiche hat die Herzen unseres Schweizer Ehepaars erobert und die Verkaufsverhandlung ist noch in vollem Gange. Die Wartezeit bekommen wir mit heißem Tee und herzhaftem Börek versüßt. Nach einigen Gläsern Tee begrüßen wir das Schweizer Ehepaar wieder in unserer Mitte. Freudestrahlend erzählen sie, dass sie den schönsten Teppich erworben haben und der Verkäufer letztendlich einen Preisnachlass von 9.000,00 Euro gewährte. Das gute Stück wird in naher Zukunft im Wohnzimmer ihres noch zu bauenden Hauses seinen Platz finden. Erst der Teppich, danach das Haus. Ich muss lachen. Wie unterschiedlich Vorgehensweisen doch sein können. :-)

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Dienstag, den 3. Juni 2014.


Der Beitrag wurde am Samstag, den 18. April 2015 um 17:57 Uhr veröffentlicht und wurde unter Reisen, Zitate abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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