14. April 2015 von Christa

Menschliches und Sehenswertes – Zentralanatolien 05

Nachdem Ender unsere neugierigen Fragen bezüglich der Jenseitsvorstellungen der Muslime beantwortet hat, setzen wir unsere Wanderung durch die aufregende Landschaft des Soğanlitals fort. Wir sehen uns die gut erhaltenen Felsenkirchen an, die byzantinische Mönche hier einst errichteten. Ungefähr 150 Kirchen hat man hier entdeckt, von denen die meisten jedoch verschüttet sind.

„Hier möcht`ich bleiben und ein Buch schreiben“, ruft unsere mitreisende Pastorin begeistert aus. „Und ich würd’s hier lesen“, antwortet mein Mann spontan. Ich glaube besser kann man das bezaubernde Picknickplätzchen nicht beschreiben, welches wir am Ende unserer Wanderung erreichen. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel lassen wir uns im Schatten der Bäume zu einem üppigen Picknick nieder.

Picknick in Kappadokien

Zur Vorspeise werden uns warmes Fladenbrot, Schafskäse, Tomaten, Gurken und Oliven gereicht. Es folgen: Ein gemischter Salat, eine leckere Eierspeise und mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Honig und Joghurt bilden den süßen Abschluss. Köstlich!

Rechts neben mir sitzt der alleinreisende Mann aus Bayern. Mit ihm habe ich während der Reise außer den üblichen Begrüßungsfloskeln noch nicht viel gesprochen. Er ist sehr zurückhaltend und steht auch immer ein wenig abseits der Gruppe. Während des Essens erfahre ich, dass er seit fünf Jahren verwitwet ist. Nach dem Tod seiner Frau sei von jetzt auf nachher alles anders gewesen. Gerne und viel seien sie gereist. Viele Orte wollten sie noch gemeinsam entdecken. Doch der Tod hat ihre gemeinsamen Pläne durchkreuzt.

Nach der Mittagspause steht die Besichtigung des Felsenklosters Eski Gümüş auf dem Programm. Die weitläufige Klosteranlage wurde 1963 restauriert. Höhlenwohnungen und Vorratsräume links des Eingangs erstrecken sich über zwei Stockwerke. Die Hauptkirche, eine Kreuzkuppelkirche, zählt zu den schönsten dieser Art in Kappadokien. Die Fresken im Inneren der Kirche stammen aus dem 11. Jahrhundert und zeigen Szenen aus dem Leben Jesu.

Fresken in Eski Gümüs

Auffallend viele Wandmalereien stellen Maria dar. Für Christen ist Maria die Mutter Gottes, für Muslime, so erklärt Ender, eine auserwählte Frau, die von ihnen als Mutter des Propheten Isa, also Jesus, verehrt wird. Wir erfahren weiterhin, dass der Koran und die Bibel teilweise dieselben Geschichten erzählen. In Sure 19, der sogenannten “Maryam-Sure”, wird, wie im Neuen Testament, auch von der Erscheinung eines Engels erzählt.

Wandmalerei in der Klosteranlage Eski Gümüs

Rechtzeitig zum Abendessen erreichen wir unser Hotel. Serviert wird Landestypisches. Nicht alles ist nach meinem Geschmack. Nach dem Essen sitzen wir noch lange in großer Runde im Innenhof unseres Hotels zusammen und führen unser Gespräch über Religion und Glauben fort. Dabei kommen wir uns sehr nahe.

Christa Schwemlein

Erlebt am:
Sonntagnachmittag, den 1. Juni 2014.


Der Beitrag wurde am Dienstag, den 14. April 2015 um 20:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter Kirche, Reisen abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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