30. September 2012 von Christa

Aus meinem Postkasten – ein Gastbeitrag von Angelika Engler

Mein Kommentar bei Facebook zu den Gedanken meines Sandhofer Blogkollegen Rolf Höge bescherte meinem bereits in Vergessenheit geratenen Blogpost “Grüß Gott” eine Menge neue Aufrufe und, was mich ganz besonders freut, zwei “likes”. :-) Außerdem erreichte mich ein längerer Kommentar, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Christa Schwemlein

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Liebe Christa,

ja, ich gestehe, ich sollte öfter in Deinem Blog “stöbern”, um die interessanten Beiträge zu lesen. Zu: “Grüß Gott“: Was ist Toleranz?

Toleranz und Respekt, das sind Begriffe, mit denen heute sehr inflationär umgegangen wird. Ich beziehe mich hier zuerst einmal auf meinen christlichen katholischen Glauben. Ja, ich glaube an Gott und muss aber deswegen nicht mit meiner “Mutterkirche” immer in allem gleicher Meinung sein.

Nein, die Geschichte der unbefleckten Jungfrau Maria mit der Geburt Jesus sollte man den Kindern heute in einer anderen Form – da auch die nicht mehr an den Klapperstorch glauben – erzählen. Wie, ja das gebe ich zu, bin ich überfragt. Ich stehe  zu meinem Glauben, jedoch werde ich diesen nicht dazu nutzen, missionarisch andere dazu zu bekehren.

Toleranz: Ja, ich toleriere, wenn sich Menschen dazu nicht bekennen oder einer anderen Glaubensrichtung angehören. Das muss schließlich jeder für sich entscheiden. Ich zähle mich auch nicht zu den Fundamentalisten meines Glaubens, da ich ihn selbst in dieser Form nicht auslebe. Ich denke, dass ich für mich den richtigen Weg, wie ich meinen Glauben lebe, gefunden habe. Christliche Werte, wie zum Beispiel auch die Nächstenliebe, sind für mich ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens. Wer kümmert sich denn heute noch wirklich um seine Mitmenschen, den Nachbarn? Ich antworte auch schon nicht mehr auf die, wenn gestellt, banale Frage: “Wie geht es Dir”. Interessiert sich mein Gegenüber, der mir die Frage gerade, vielleicht auch, weil ihm in diesem Moment nichts anderes einfällt, stellt? Ich denke nein (klar, Ausnahmen gibt es immer).

Ich finde es bedauerlich, da durch die Zusammenlegung der Gemeinden zu “Seelsorgeeinheiten” heute nicht mehr der Pfarrer als Ansprechpartner für seine Gemeinde in der Form, wie es früher einmal war, ansprechbar ist. Aber damit müssen wir uns wohl abfinden. Liegt es alleine an der fehlenden Kirchensteuer durch die immer mehr werdenden Kirchenaustritte (das auch die Evangelischen betrifft) oder an was liegt es? Gäbe es wirklich mehr Pfarrer, wenn der Zölibat abgeschafft wird? Auch diese Fragen kann ich, die für die Abschaffung wie auch für die kostenlose Ausgabe der Pille in bedürftigen Ländern ist, nicht beantworten.

Nein, um an Gott zu glauben muss ich nicht jeden Sonntag die Gottesdienste besuchen. Ich gehe lieber in eine Kirche, wenn ich alleine sein kann. Meine Zwiesprache mit Gott kann ich in diesem Fall besser halten als wenn die Kirche mit den Gemeindemitgliedern in einem Gottesdienst mehr oder weniger gut besucht ist. Und ja, das gerade gefällte Urteil wegen dem Herrn, der zwar keine Kirchensteuer mehr zahlen aber trotzdem Anspruch auf alle Sakramente stellt, wurde in meinem Sinne ausgesprochen. Ich kann mich nicht an “vollen Tellerchen laben”, jedoch nichts dazu beitragen wollen. Klar, jetzt kommt sicher wieder, wie reich die Kirche doch ist und dass sie davon vieles abgeben, sprich finanzieren könnte. Mag sein.

Bei der Erziehung meines Sohnes (geb 1980) habe ich versucht, ihm Toleranz und Respekt beizubringen. Wie ich es heute noch erlebe, erfolgreich. Er hatte freundschaftliche Verhältnisse auch zu Klassenkameraden anderer Nationalitäten, die nicht einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehörten, gepflegt. Bei uns zu Hause wurde nie über DEN Türken, Jugoslawen, Albaner oder sonst wen gesprochen. Alle wurden in Gesprächen namentlich benannt. Worauf ich eigentlich hinaus wollte sind die, heute unter den Worten “Satire” und “Pressefreiheit”, infamen Verunglimpfungen. Nein, wer an Allah oder wie auch immer er heißen möge glaubt, soll dies tun. Dazu bedarf es dann aber keiner Satire oder Videos, die dies ins Lächerliche ziehen. Aber warum, so frage ich mich, regt sich die “Christliche Nation” nicht darüber auf und vor allem, warum gehen die Christen nicht auf die Barrikaden, wenn gleiches mit Gott, Jesus oder auch dem Papst am Kreuz unter dem Vorwand der “Satire” abgebildet werden? Hat der Gott, an den wir Christen glauben, nicht die gleichen Rechte verteidigt zu werden wie “Allah”? Nein, wir, die Christen, finden keine Befürworter, vor allem von denen, die auf Wählerstimmen dieser Andersgläubigen aus sind. Ja, das ist nun mal Fakt!. Wir müssen kuschen, da wir ja sonst als ausländerfeindlich hingestellt werden und mit unserer Verteidigung die Integration blockieren!?

Man kann mir persönlich viel vorwerfen, jedoch keine Ausländerfeindlichkeit. Nun gut, gegenüber den “Bürgersteigblockierern” schon! Gerade von diesen Migranten (?), wie man sie heute nennt, die in jedem Satz mehrmals das Wort “Respekt” gebrauchen kann ich auch erwarten, dass sie uns und unseren Glauben respektieren. Nein, ich war keine der Gegnerinnen beim Bau der Yavuz Sultan Selim Moschee in Mannheim. Auch den Muslimen gestehe ich ein “Gotteshaus” zu. Was mich nur ärgert ist für mich, ein politisch interessierter Mensch, dass man unsere “Rechte” teilweise mit Füßen tritt und von uns immer Rücksichtnahme gefordert wird. Nein, kann von mir keiner mehr verlangen. Ich erwarte und verlange von diesen “Migranten”, die teilweise schon in der dritten Generation hier leben – hier geboren sind – auch Respekt und Toleranz gegenüber den hier im “Christlichen Abendland” lebenden Menschen.

Respekt – wo fängt der Respekt an und wo hört er auf? Wie definiert man Respekt? Respekt den Kindern zu vermitteln wäre die erste Aufgabe der Eltern. Aber da fängt das Problem ja schon an. Welche der jungen Eltern nehmen sich heute noch die Zeit, ihre Kinder zu erziehen und denen so manch wichtige Dinge im Leben beizubringen? Wir, die ältere Generation = ich, Jahrgang 1952, wurde noch mit “Respekt” erzogen. Aber, war es wirklich Respekt vor den Eltern die wir hatten? Ich behaupte Nein. Es war oft auch die Angst vor ihnen, da es, zumindest in meinem Elternhaus, Schläge für Ungehorsamkeiten oder sonst was reichlich gab. Nein, ich hatte, vor allem vor meiner Mutter, keinen Respekt, sondern Angst. Trotzdem, sei es die Angst oder der Respekt gewesen, haben wir uns gegenüber unseren Eltern so nicht benommen – auch wenn wir uns mit Widerworten versuchten zu wehren. Wir hatten vielleicht doch durch Respekt ihnen gegenüber eine andere Wortwahl, anders wie es die Kinder heute tun, gewählt. Trotzdem war uns Respekt nicht fremd. Nicht nur der unseren Eltern gegenüber, auch den erforderlichen Respekt Menschen und Dingen gegenüber, die uns nicht gehören wurde uns beigebracht und haben, zumindest meine Eltern, mir vorgelebt. Vielleicht habe ich mich in diesem Beitrag etwas “verzettelt” und nicht der Reihe nach beschrieben, was ich eigentlich sagen wollte. Ich denke aber, dass meine persönlich Meinung daraus schon zu ersehen ist. Es ist kein Aufruf an die Christen auf die Barrikaden zu gehen sondern mehr ein Appell an die jungen Eltern – gleich, welcher Nationalität, sich Zeit für die Erziehung ihrer Kinder zu nehmen. Wo, wenn nicht im Elternhaus, kann man Respekt und Toleranz lernen. Wobei – auch die Eltern und wir Großeltern müssen auch den Kindern gegenüber mit Respekt und Toleranz, da sich die Zeiten und manche Werte geändert haben, begegnen. Schläge, wie auch Hausarrest, sind Formen in der Erziehung, die ich komplett ablehne. Das Haus, bzw. die Wohnung, ist keine “Arrestzelle”, sondern das Heim, in dem sich alle wohl fühlen und in einer friedlichen, wenn auch manchmal “zickigen” Gemeinschaft (gehört in der Pubertät dazu) leben und füreinander da sein sollen.

In diesem Sinne wünsche ich allen mit Gottes Segen einen friedlichen Sonntag. Auch, wenn Menschen, die in etwa so denken wie ich, diese Welt nicht “retten” können.

Angelika Engler

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 30. September 2012 um 18:55 Uhr veröffentlicht und wurde unter Aus meinem Postkasten, Kirche abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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