19. August 2011 von Christa

Angst, die unmenschlich macht

Menachem hat es in seinem Kommentar bereits angedeutet. Die herbe Kritik des Propheten Amos könnte heute in jeder Tageszeitung zu lesen sein. Man ersetzt ein paar Wörter der alten Amos Texte durch moderne Begriffe und schwups erhält die Amosprophetie eine fast schon unangenehme Aktualität.

“Wann ist der Sabbat vorbei?“ hieß es damals. Heute haben wir unter dem Blickwinkel von „entgangenem Gewinn“ die Diskussionen um die verkaufsoffenen Sonntage. „Wann können endlich am Sonntag die Geschäfte geöffnet werden?“, lautet die Frage heute.

Die Kritik des Propheten ist zeitlos. Leicht lässt sich der Bogen in die heutige Zeit spannen. Weltweit ist der größte Teil des Kapitals in den Händen von Wenigen. Reiche werden immer reicher. Die Tendenz ist steigend! Die Hungersnot in Afrika ist nur eines von vielen Beispielen, wie sich unerträgliche Menschheitsgeschichten immer neu wiederholen.

Von Amos kann man aber auch einen Blick nach Deutschland richten. Die Parallele ist durchaus statthaft, wie ich finde. Immense Vorstandsgehälter und Betriebsgewinne gehen mit Entlassungen in die Arbeitslosigkeit einher. Wo immer es geht möchte man die gleichen Betriebsergebnisse mit immer weniger und immer billigerem Personal erzielen. Mit dem Einzug von Social Media wird unter dem Begriff „crowd sourcing“ Arbeit an unbezahlte Freiwillige delegiert. Es werden Sparpakete geschnürt, die hauptsächlich von den Betroffenen und Benachteiligten zu schultern sind. Beispiele?

  • Krankheit ist teuer geworden. Praxisgebühren, erhöhte Zuzahlungen für Medikamente, Heilmaßnahmen, Vorsorge und häusliche Krankenpflege. Brillen auf eigene Rechnung!
  • Rentnerinnen und Rentner müssen sich mit Nullrunden zufrieden geben.
  • Arbeitslose geraten noch mehr unter Druck. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wurde gekürzt. Arbeitslosenhilfe schmilzt auf das Niveau der Sozialhilfe zu Arbeitslosengeld II. Partnereinkommen und Vermögen werden verstärkt angerechnet. Arbeitslosen ist fast jede Arbeit, an jedem Ort, auch zu Minilöhnen zumutbar.

Neben den genannten Kritikpunkten sprach Amos auch die Ungerechtigkeiten in der Rechtsprechung an. „Bei Gericht hassen sie den, der zur Gerechtigkeit mahnt, und wer Wahres redet, den verabscheuen sie“(Am 5,10)

Vielleicht ein Blick in die Presse: “ Niemand muss mit Klaus Zumwinkel übertriebenes Mitleid haben. Der Mann, der sein Vermögen auf 13 Millionnen schätzt ……. 

Rechtsprechung nach Gehalt und Parteibuch? Und was ist mit dem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Ein Kavaliersdelikt?. Die Sammlung der heißen Eisen ließe sich mühelos fortsetzen.

Die Krise kommt immer näher. Es gibt kein Entrinnen mehr. 2008 bescherte uns die größte Wirtschafts- und Finanzkrise seit langen, mit vielen schwerwiegenden Folgen. Die Nachwirkungen sind noch nicht wirklich absehbar. Das macht Angst. Angst, die unmenschlich macht!

Christa Schwemlein

Lust auf Bibel?
Lust auf Amos? 

Nachtrag : 21.08.2010
Nachdem ich via Facebook auf einen älteren Beitrag der SMA aufmerksam wurde, habe ich den Originalbeitrag der Rhein-Neckar-Zeitung gelöscht. Auch das ist E-learning. :-) Danke für den Hinweis!

Der Beitrag wurde am Freitag, den 19. August 2011 um 22:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter Blog-Geflüster, Eigene Gedanken zu..., Kleine Bibelkunde abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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