6. Dezember 2009 von Christa

Nein, Danke sagen mag ich nicht!

Gestern Vormittag hatte ich zwei “Mutter-Kind“ Erlebnisse, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Das Eine in der Straßenbahn auf dem Weg in Mannheims City, das Andere kurz vor dem Rückweg auf unserem Wochenmarkt, genauer gesagt vor der St. Sebastian Kirche. Die Citypastoral hatte zu einem Begegnungsfest mit Musik und Gesang eingeladen, wie ich später erfuhr. Die Feier war fast zu Ende als ich dazu stieß. Ich bekam nur noch das Schlusslied mit.

“Möchtest du auch einen Nikolaus?“ fragte der als „Bischof-Nikolaus“ verkleidete Mann das blonde Lockenköpfchen. Die Kleine strahlte ihn mit ihren großen Augen an, als sie den Schokonikolaus entgegennahm. Süß sah sie aus.

“Wie sagt man?“ fragte die Mutter. „Ach lass sie doch“ antwortete die Oma anstelle der Enkelin. Die Mutter ließ sich nicht beirren und forderte ihre Tochter ein zweites Mal auf sich zu bedanken. Als diese sich weigerte, nahm sie ihr den Nikolaus aus der Hand und gab ihn zurück. Mit einem Schlag verwandelte sich das süße Engelchen in ein schreiendes Bengelchen. Sie stampfte mit dem rechten Fuß und ließ sich zornig auf die Erde fallen. Einige der Mitfeiernden versuchten die Mutter umzustimmen. “Sie ist doch noch so klein”, argumentierten sie.
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ist es zuviel verlangt Danke zu sagen, wenn man etwas geschenkt bekommt? Wer nicht Danke sagen kann, hat auch kein Geschenk verdient“, so oder so ähnlich antwortete die Mutter und zwar in einem Ton, der keine weitere Diskussion zuließ. Sie hob den Trotzkopf auf und ging.

Lohnt sich solch ein Aufstand?

Erziehung ist anstrengend und kostet Kraft, war mein erster Gedanke. Gleichzeitig war ich froh, diese mitunter mühevolle Lebensaufgabe hinter mir zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass es der  jungen Mutter wichtig war ihrem Sprössling klar zu machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, etwas geschenkt zu bekommen. Sie erteilte ihrer Tochter eine Lektion, die wie ich finde, nie früh genug gelernt werden kann.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ist ein Sprichwort, das bestimmt jeder kennt. Kurz und knapp wird hier eine Lebensweisheit auf den Punkt gebracht. Worte wie „Bitte“ und „Danke“ sind Zauberworte, die Herze öffnen können. Sie sind ebenfalls Zeichen der Höflichkeit und einer guten Erziehung.

“Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten”, heißt es bereits in der Bibel und kann in Lukas 6,44 nachgelesen werden, soviel für die Freunde der   “kleinen Bibelkunde ;-)

Christa Schwemlein :-)

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 6. Dezember 2009 um 14:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter Eigene Gedanken zu..., Kleine Bibelkunde, Nur so... abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

Eintrag Nr. 3026 | Kategorie Eigene Gedanken zu..., Kleine Bibelkunde, Nur so... | 7 Kommentare »





7 Reaktionen zu “Nein, Danke sagen mag ich nicht!”

  1. Nadine

    Hallöchen

    ja da hast Du wieder mal Recht. Erzeihung kostet sehr viel Kraft. Vorallem wenn man ein Kind hat, dass einen sehr großen und dicken Sturrkopf hat. Aber es zählt sich aus, hart zu bleiben, wie die Mutter des kleinen Engelchen. Ich bin eine sehr großzügige und auch tolerate Mutter aber ein paar Grundregeln müssen sein. Und DANKE und BITTE ist eine davon. Finde es richtig, wie sich die Mutter verhalten hat.

    Noch einen schönen Nikolaus Tag

  2. Andi

    Auch ich kann dem nur zustimmen. Dies sind ja nur Grundwerte im menschlichen Zusammenleben, danke und bitte zu sagen. Aber andere Grundwerte fehlen heute ( Ausnahmen bestätigen die Regel ) wie Respekt vor dem Alter, vor Eltern und Erziehungsberechtigten, oft auch vor anderen Lebewesen, also Tieren, ja selbst Respekt vor Gleichaltrigen. Es macht keine Freude mehr, in dieser Gesellschaft zu leben, mir jedenfalls.
    Ach ja, früher galt ein Handschlag für die Einhaltung eines Vertrages. Heute halten sich noch nichteinmal Gerichte an diese Grundwerte, wenn sie Vergleiche vorschlagen und somit aus Kostengründen kein Recht sprechen.
    Eigentlich braucht man auch keine tausende Paragraphen, die 10 Gebote würden reichen, dass die Menschen angenehm miteinander leben könnten. Wobei das Gebot mit dem Ehebruch m.E. etwas abgeändert werden müsste…

  3. Christa

    @ Nadine – von wem er den nur hat, den Kopf? *lach* Dein Kleiner wird schon recht, du schaffst das.

    @ Andi – ich denke, dass man dies nicht so verallgemeinern kann. Ich habe auf jeden Fall Freude am Leben und je älter ich werde, jeden Tag mehr.

  4. Renate

    Danke und Bitte sind leider Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Sie kommen zwar doch noch relativ häufig über die Lippen der Menschen, aber ich befürchte, dass es oft nur eine Floskel ist. Und gerade deshalb finde ich, dass die Oma völlig daneben lag mit ihrem “ach lass sie doch”.
    Wäre ich die Mutter gewesen, hätte ich dem Kind den Nikolaus wieder weggenommen.
    Ich bin immer wieder hoch erfreut, wenn ich ein “gut erzogenes” Kind erlebe. Ein “Danke” nichts mit Dressur zu tun, sondern mit Höflichkeit und Respekt. Und dem Bewusstsein, dass es nicht selbstverständlich ist, etwas geschenkt zu bekommen.

    Liebe Grüße von Renate
    P. S.: Ich gebe Andi völlig Recht. Und wage sogar die Behauptung, dass wir nicht ZEHN Gebote brauchen, sondern nur ein einziges: behandle andere Menschen so wie du selbst behandelt werden möchtest.

  5. Christa

    Was du nicht willst, das man dir …..

    ja Renate, die goldene Regel hat was.

    Die Oma mag ich aber ein bissel in Schutz nehmen. Wäre ich die Oma gewesen, hätte ich vielleicht ähnlich gedacht – eine Oma muss ja nicht erziehen – aber mit Sicherheit nichts gesagt. Die junge Mutter hat mir echt gut gefallen. Sie ließ sich auf keine Diskussion mit der Mutter oder Schwiegermutter ein, wie ich das wahrscheinlich damal gemacht hätte.

    Seelenruhig nahm sie ihrer Tochter den Nikolaus aus der Hand und gab ihn dem Schenker zurück. Nicht nur das Kind hat eine Lektion gelernt, auch die Oma. Ich denke, sie hat begriffen, dass sie daneben lag. Den Eindruck gewann ich.

    Herzliche Grüße
    Christa

  6. Renate

    Oh, die Mama hat den Nikolaus wieder zurück gegeben. Klasse!

  7. Christa

    Ja Renate, sie gab ihn zurück. Ich habe es in meinem Beitrag auch erwähnt. Ich vermute, dies hattest du beim beim ersten Duchlesen überlesen ;-)

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